DVDs:
•
Babel
Brad Pitt
,
Cate Blanchett
Ufa/DVD, 2007
durchschnittliche Kundenbewertung:
basierend auf 90 Bewertungen
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empfohlen!
Warum eigentlich Babel ?
Filme, welche strukturell darauf basieren, dass die Geschichten und Schicksale der Protagonisten scheinbar nichts miteinander zutun haben, aber in aller Konsequenz doch miteinander verwoben sind, gab es wirklich schon einige und diese sind durch ihre narrative Technik schon an sich sehr interessant. Mir fallen spontan "Shortcuts", "Traffic", "21 Gramm" ein. "Shortcuts" ist ein amerikanischer Film, (vor)großstädtisch, nur mit weißen Schauspielern, eine gelungene und zum Teil tragikomische, aber irgendwie doch einseitige Skizze westlich-amerikanischer Lebensweise. "Traffic" weist anhand des "Drogenproblems" hingegen auf gesellschaftliche Komplexität hin, erkennt am widersprüchlichen Handeln der gesellschaftlichen Mitglieder die Schwäche humaner Vergesellschaftung und verweist z.B. darauf, dass die Fähigkeit des Individuums zu Handeln gefragt ist, um so Veränderung im Sinne von Verbesserung zu erreichen. Und bei "21 Gramm" wird das Schicksal des Einzelnen so gewichtig, weil es in ein mehr oder minder sinnhaftes Ganzes eingebettet ist, weil es eine typische Frage des Menschen provoziert (Leben-Tod-Schicksal) und den Schauenden gewissenhaft anregt sich Gedanken zu machen, wie das eigene Schicksal in dieses Schema passen könnte.
Die Schwäche des Films "
Babel
" liegt nun meines Erachtens darin, dass er nichts will, dass er keine konsequente Botschaft hat. Dass er einige Geschichten anfängt, aber keine richtig zu Ende zu erzählen vermag. "Babel" wirbt auch nicht für mehr Menschlichkeit oder hat "höhere" Ziele, sondern er zeigt pseudo-dokumentarisch und mit künstlerischem "Gedöns" (verwackelte Kamera) lediglich einige - sagen wir mal - gesellschaftliche, aber auch individuelle Defizite und Unterschiede auf, z.B. wo man wann lieber nicht sein sollte, das in anderen Kulturen etwas anders ist, als in der westlichen und worüber wir uns wundern sollten usw. Sehr differenziert erscheinen mir die Darstellungen nicht, sie sind zum Teil klischeehaft und bedienen Vorstellungen, denen wir tagtäglich schon erliegen könnten. Irgendeine Intuition sagt mir deshalb, dass der Film sehr gut in unsere heutigen Tage hineinpasst.
Bei all diesen doch recht grob inszenierten Verquickungen freut man sich, wenn der Film irgendwann vorbei ist und man sich in seinem heimisch-sicheren Wohnzimmer wiederfindet und sich dabei ertappt zu beschließen besser nicht nach Marokko oder Mali zu fahren und man auch froh ist kein Mexikaner sein zu müssen. Kurz gesagt, ich kann auch Nachrichten schauen und mir hinter den kurzen Meldungen die Schicksale der einzelnen Menschen vorstellen und komme zum gleichen Ergebnis: Es interessiert mich, wenn ich WIRKLICH ehrlich bin, nicht wirklich und ich bin froh auf der "guten" oder zumindest immer noch "bequemen" Seite der Welt geboren worden zu sein. Wahrscheinlich bin ich mittlerweile durch die moderne Berichterstattung traumatisiert, und so ahne ich nur allzu gut, dass es eben nicht ausreicht einen Film zu schauen, sondern man muss geradezu aufgerüttelt werden und verändern wollen, sonst verbleibt man nur als ein qualifizierter Konsument von tagtäglichem Elend und misslungener menschlicher Verhaltensweisen und Vergesellschaftung vor dem Fernseher haften und beschliesst eine Kritik wie diese zu schreiben. "Babel" kann vieles nicht leisten, weder richtig unterhalten noch richtig aufrütteln. Was übrig bleibt ist die schale Illusion von Realität, aber ich gebe zu, dass dies nicht nur am Film, sondern besonders an meiner Perspektive des Betrachtens und Schlüsseziehens liegen kann, dass mich die Medien- und Fernsehwelt anfängt abzustumpfen und ein Film wie dieser daran leider auch nichts mehr ändern kann. Mir hat einmal jemand gesagt: "Sinn ist die Reduktion von Komplexität !" Dieser Film reduziert komplexe Sachverhalte zum Teil so stark, dass m.E. Unsinn dabei herauskommt.
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Wenn du verstanden werden willst... Hör zu!
Und genau so läuft das mit "
Babel
". Und um diesen Satz zu unterstreichen: man sollte sehr genau zuhören und zuschauen. Gewiss, kein einfacher Film (viel Originalsprache mit Untertitel - schwierig, passt aber perfekt), kein Popcornkino zum zurücklehnen, kein buntgemalter Hollywoodstreifen der die Hirnzellen zum verblöden anregt, bei dem aber alle "oh wie toll" schreien weil es mal wieder nichts zum verstehen gab und aus dem Grund verstanden wird. Nein! Babel gehört für mich zweifelsfrei zu den besten Filmen die je gezeigt wurden. Babel ist ein realisitischer Film, ein Film der die Welt nicht verschönert aber auch nicht verschlechtert. Ein Film der dir durch die wahnsinnige Kameraführung das Gefühl gibt dabei zu sein. Ein Film, der ohne viele Worte verdammt viel aussagt. Ein Film der dich zum nachdenken bringt, ein Film den nicht jeder versteht (schade) und bei dem der Kopf angeschaltet bleiben muss. Ein Film, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht und nachhaltig wirkt. Ach ja, das Gefühl, das konnte ich die ganze Zeit nicht abstellen... ein dumpfes Gefühl im Bauch. Egal ob man die Facetten des menschlichen Egoismus, den ureigenen Selbterhaltungtrieb oder die brutale Realität miterlebt, dieses Gefühl im Bauch bleibt einfach.
Grossartige Kameraführung, perfekt abgetimmter Soundtrack, großartige Schauspieler bei denen man eigentlich niemanden hervorheben sollte, da jeder in seiner Rolle den Film zum Leben erweckt hat (auch die marokkanischen Dorfbewohner, die im echten Leben marokkanische Dorfbewohner sind).
Erwähnt werden sollte dennoch die Zusammenführung der einzelnen Geschichten, die, und da wiederspreche ich einem Vorredner, alle als einzelne Story leben, ohne das man sich die ganze Zeit fragt, wer hat was mit wem zu tun. Die Story wird am Ende perfekt zusammengeführt und hinterlässt den Eindruck eines Meisterhaften Films... Ein anspruchsvoller Film braucht/für anspruchsvolle Zuschauer. DANKE!
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"Realistisches Episodendrama mit Anspruch!"
Ein Gewehrschuss in der marokkanischen Wüste
verletzt eine US - Touristin, illegale Ein-
wanderer überschreiten die mexikanische
Grenze, ein stummes Mädchen in Tokio rebelliert
gegen ihren Vater - der einst nach einem
Wüstenurlaub einem Einheimischen seine Waffe
geschenkt hat.
"21 Gramm" Regisseur Alejandro G. Inarritu
verbindet scheinbar zusammenhanglose Handlungs-
fäden zu einer fast erstickend dichten Ge-
schichte über Schicksal und Zufall, Schuld und
Vergebung. Man fühlt sich teilweise mittendrin,
so realistisch ist es.
Die Besetzung ist sehr gut, allen voran Brad
Pitt und Cate Blanchet, aber auch die anderen
eher unbekannten Darsteller überzeugen durch-
weg, die Dialoge sind teilweise in Original-
sprache was zur Autenzität beiträgt.
Anspruchsvolles Kino für Anspruchsvolle :-)
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Wir sind alle vernetzt miteinander...
Babel
hat mich noch lange nach dem abendlichen Anschauen beschäftigt.Der Film gehört sicher nicht zu der Kategorie feierabendlichen-Unterhaltungskinos,in ihm stecken viele Aussagen.
Mit einer geschickt inszenierten Handlungsaufteilung, die erst im Laufe des Filmes den Gesamtkontext ergibt,erreicht Babel Spannung. Die Handlung an sich ,ist aufgeteilt in das Schicksal verschiedener Menschen,die mit kulturellen, wirtschaftlichen und vor allem zwischenmenschlichen Problemen zu kämpfen haben.Ein amerikanisches Ehepaar befindet sich auf einer Reise in Marokko( Brad Pitt und Cate Blanchet).Ihre Ehe ist zerrüttet, wie die weite Wüste,in der sie mit einem Reiseunternehmen,jene Bustour starten, auf der eine Gewehrkugel die Fensterscheibe durchschlägt.Die Ehefrau wird dabei lebensgefährlich verletzt. Zwei Jungen haben diesen Schuss ausgelöst,beim Testen ihres Gewehres,mit dem sie die Ziegenherde des Vaters vor Schakalen bewachen sollten.
Parallel dazu,wird das Kindermädchen,des amerikanischen Ehepaares in eine schwierige Lage gebracht.Eine Hochzeit,der in Mexico beheimateten Familie findet statt,dabei müssen die Kinder mit über die Grenze von Kalifornien zu Mexico genommen werden.Ein dritter Handlungsstrang findet auf der anderen Seite der Erdkugel statt.In Japan,lebt ein gehörloses,pubertierendes Mädchen,alleine,nach dem Tod der Mutter,mit dem Vater zusammen.Der Vater ,ein Grossunternehmer hat kaum Zeit für das Mädchen. Die dargestellten Charaktere setzen sich also aus den unterschiedlichsten Menschen,an so verschiedenen Orten und in gänzlich anderen Lebenssituationen zusammen.Doch, sie sind verbunden ,vernetzt durch das Gewehr, den Schuss,durch eine spontane Situation.Hier fiel mir das Sinnbild des Schmetterlinges ein,der auf der anderen Seite der Erde ein Erdbeben auslöst.
Die Bildsprache des Films ist beeindruckend.
Auf der einen Seite sehen wir eine karge Wüstenlandschaft,in der die Menschen früh altern und Kinder schon mit vielzuviel Verantwortung konfrontriert werden.Demgegenüber steht eine eher künstliche,dichtbevölkerte Metropole,in der eine permanente Reizüberflutung und Oberflächlichkeit herrscht.Eine Kultur, die befremdlich wirkt.Die Szenerie in Mexico ist eher amerikanisch,mit ihrer Justiz,dem Umgang mit Ein und Auswanderung an der Grenze.
Jede Person trägt in Babel ein Schicksal,ein Lebensproblem, auf eigene Weise .Menschliches Leid wird hier auf verschiedensten Ebenen deutlich. Die leidtragenden sind die Kinder, die mit den Problemen der Erwachsenen nicht umgehen können und so desorientiert werden.
Babel, ein Film mit einerseits Starbesetzung und auch unbekannten Darstellern. Die Ereignisse rund um den Globus wurden in ihrer jeweiligen Kultur vernetzt,zu einem Geschehen, das erst in den letzen Filmminuten zusammenläuft. Untertitel ersetzen die Synchronisierung zum Teil, um den Charakter der Landeskultur zu wahren. Herausragend empfand ich die Darstellung,der Erlebenswelt,des gehörlosen Mädchens. Hier wurde der Ton zum Teil weggenommen,und wir als Zuschauer,erleben die Situation quasi auch gehörlos.Nur ein dumpfes Rauschen bleibt,wie der Blutstrom im Innenohr.
Dieser Film erhält in meiner Bewertung alle fünf Sterne.
Ich empfehle ihn aber nicht,um abends abzuschalten und danach in Ruhe den Tag zu beenden. Mich hat er beschäftigt.
Ein Meisterwerk.
Tom Netzer
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