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Michael Kohlhaas
Heinrich von Kleist
Reclam, Ditzingen
, 2003 - 135 Seiten
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empfohlen!
Gibt es ein Recht auf politischen Widerstand?
Ein Gefühl der Ohnmacht gegenüber den Mächtigen und ihren Helfern lässt den Rosshändler
Michael
Kohlhaas
in der Mitte des 16. Jahrhundert zur Selbstjustiz greifen. Die auf einer wahren Begebenheit basierende Geschichte beginnt mit einem Unrecht, das jenem Kohlhaas widerfuhr. Als seine Bemühungen um Entschädigung in den Mühlen der Bürokratie und des Rechtssystems zermahlen werden und es ihm gar weiteres Unrecht einbringt, will er sich bald selbst Gerechtigkeit verschaffen. In einer unaufhörlich wachsenden Spirale aus Gewalt und Wahnsinn verbündet er sich mit Vogelfreien und macht sich schnell die Herrschenden zum Feind. Durch seinen verzweifelten Kampf gegen das System riskiert er alles zu verlieren, was ihm wertvoll ist.
Heinrich von Kleist schrieb diesen Roman zwischen 1808 und 1810, also zu einer Zeit, als in Europa die brisante rechtsphilosophische Frage diskutiert wurde, inwiefern es ein Recht der Bürger auf politischen Widerstand gegen Obrigkeit und Staatsgewalt gibt. Es sollte sich in den beiden Jahrhunderten seit damals zeigen, dass sie nicht an Brisanz verloren hat.
Sicherlich ist Heinrich von Kleists Schreibstil - der berühmt-berüchtigte Kleist'sche Satzbau mit langen und verschachtelten Sätzen - nicht einfach zu lesen. Allerdings entschädigt es durch eine spannende Erzählweise, essentielle Fragestellungen und scharfe Analysen, sowie eine lebhafte Schilderung der damaligen Zeit und ihrer Verhältnisse.
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Große Erzählung, aber etwas sperrig zu lesen
Rosshändler
Michael
Kohlhaas
aus Brandenburg ist mit ein paar Pferden unterwegs nach Sachsen. An der Burg des Junkers Wenzel von Tronka wird er widerrechtlich mit der Begründung festgehalten er habe keinen Pass dabei. Man zwingt ihn zwei Rösser als Pfand dazulassen. Als er zurückkommt, sind die Pferde verschwunden. Der Knecht, den er zur Rösserpflege dagelassen hatte, befindet sich auch in keinem sehr guten Zustand. Kohlhaas Versuche legal zu seinem Recht zu kommen scheitern an den politischen Beziehungen des Junkers. Kohlhaas Frau wird, als sie dem Kurfürsten von Sachsen eine Petition übergeben will, sogar niedergeschlagen und verstirbt an den Folgen.
Kohlhaas versucht sich nun privat an dem Junker zu rächen. Er steckt dessen Burg an, während der Junker das Weite sucht. Zusammen mit einer wachsenden Herrschaar von Knechten und anderen, die sich ihm anschließen, zündet er nun jeden Ort an, in dem der Junker Unterschlupf findet. Mehrmals gelingt es Kohlhaas kleinere Truppen des Staates zu besiegen, welche inzwischen auf ihn angesetzt sind. Kohlhaas besucht Martin Luther, auf dessen Vermittlung ihm der Kurfürst Amnestie zusichert. In Dresden könne er baldigst seine Klage gegen den Junker legal vorbringen. Wieder gibt es Intrigen und Kohlhaas gerät zwischen die machtpolitischen Interessen der Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg, wohin er ausgeliefert und schließlich hingerichtet wird.
Ab dem Moment, wo Kohlhaas nach Dresden kommt, fand ich die Erzählung nicht mehr sonderlich spannend. Es geht fortan nur mehr um Politik und Machtinteressen. Gut, dass war wohl, was Kleist schildern wollte, den Konflikt darum, wie man Selbstjustiz juristisch begegne. Kleists Schachtelsätze sind, obgleich äußerst gekonnt, auch nicht so mein Fall. Aber wenn ich die Sprachwissenschaftler richtig verstehe, verfolgen diese den Zweck zu beschreiben, was alles gleichzeitig passiert und miteinaner in Beziehung steht. Man sieht, und das nicht erst in diesem letzten Satz, die Lektüre von "Michael Kohlhaas" färbt ab.
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Spannendes Hörbuch
Bei diesem Hörbuch stimmt alles: Spannende Story, starker Sprecher (Otto Mellies), gute Aufnahmequalität und nicht zuletzt ein günstiger Preis. (lt)
Kohlhaas
Der
Michael
Kohlhaas
ist so bekannt und ich möchte wetten, daß ihn viele dann doch nicht gelesen haben werden und nur wissen, daß er derjenige ist, der sich sein Recht selbst durch die Anwendung von Gewalt zu verschaffen suchte. Diese Novelle ist aber viel mehr. Es ist die allgemeingültige und allezeit zutreffende Schilderung von Mißverständnissen und Intrigen, von bewußt und unbewußt falsch verstandenen Anweisungen, die Vorgesetzte an Mitarbeiter geben. Die Geschichte von verwandtschaftlichen Beziehungen, die schon mal dazu führen, eine berechtigte Klage niederzuschlagen. Es ist auch die Geschichte des Glaubens an das Recht und die Gerechtigkeit, die Geschichte von unversöhnlichem Haß und christlicher Nächstenliebe. Es ist eine ungeheure Begebenheit, die mit hohem Tempo und so zwingend erzählt wird, daß man mitgerissen wird, ob man es will oder nicht. Es ist aber auch und vor allem die Sprache, ein wundervolles, schnörkelloses Hochdeutsch, ein Genuß eine so wundervoll geschriebene Geschichte zu lesen!
Diese Novelle ist, ich kann es nur wiederholen, große deutsche Literatur, geschrieben von einem Meister dieser Sprache. Und ich kann, diese Geschichte lesend, einen Stolz auf diese Sprache, ihren Reichtum, ihre Ausdruckskraft nicht verhehlen.
Schade, daß Kleist nie einen Roman geschrieben hat, schade, daß er nicht länger auf dieser Welt leben wollte, um ihr noch mehr zu hinterlassen.
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