Suche Literatur / Bücher:   





Liebesgedichte / Amores
Ovid

Reclam, Ditzingen, 1997 - 262 Seiten

durchschnittliche Kundenbewertung:basierend auf 2 Bewertungen
großes Bild anzeigen
 für weitere Informationen klicken Sie hier





"Cetera quis nescit? (Ovid, 1,5)

Ovid, über die Ars amatoria hatte ich berichtet, hat hier in dem Vorgänger ca. 50 Gedichte um die Liebe uns hinterlassen. Gedichte, die über den reinen Liebesgenuss (1,5) berichten, über Liebesschwüre (1,8) oder über Beschwerden, falls es Nebenbuhler gibt (3,8). Gedicht (1,8), eine Kupplerin gibt ihre Lehren preis, weisst bereits auf die Ars amatoria, wo die Liebeskunst gelehrt wird. Schon hier ist das längste Gedicht ein Lehrgedicht.

In drei Büchern hat Ovid seine Amores verfasst, die aufeinander aufbauen und eine Entwicklung der Liebe repräsentieren. Ist noch die beginnende Liebe voller Zuversicht und Lust, führt Zwist zur Ernüchterung und Desillusion, aber nie zu einer Aufgabe der Beziehung. Ovid teilt seine Herzenswünsche mit Corinna, sie ist seine Angebetete, wie später Petrarca seine Laura fand. Liebesmüdigkeit (2,9) wechselt mit neuer Bereitschaft (2,9b) und mündet in reiner Freude über die Liebeserfüllung (2,12).

Erfolglose Versuche, zur Geliebten zu gelangen (3,6 ; 3,11) finden sich im Buch 3, wie auch die prekäre Situation, eine Geliebte teilen zu müssen (3,4) während (3,1) und (3,14) Untreue und Indiskretion zusammen fallen lassen.

Ovid liebt die private Liebe, d.h. er wendete sich den persönlichen Dingen und Vorlieben zu. Keine politische oder sozialkritische Angelegenheit ist von ihm hören, wie es ein Vergil (Aeneis) oder ein Horaz (Carmenia) machten, sondern er wurde allein vom Diebstahl eines Versfusses geleitet (1,1) und musste, statt die gewohnten Hexameter verwenden zu können, ausweichen auf die erotischen Elegien in Distichen. Seine Amores sind der Liebe an sich zugewandt, keine Liebe durch Leid; ewige Treue und Liebe bis zum Tod ist wie Koitus und Exitus in einem.

Ein Genuss für den, der zwischen den Zeilen Ovidsche Gedanken und Phantasien entdecken kann. "Wer weiß nicht, was dann folgte?" (1,5 Z25)


 für weitere Informationen klicken Sie hier


Lesen und lieben

Ovid hat ein Problem: Er liebt die Hetäre Corinna, aber hat kein Geld, sie zu bezahlen. Corinna hat ein ganz ähnliches Problem: Sie liebt Ovid, aber der hat kein Geld, sie zu bezahlen. So muß Corinna sich durch einen Mann finanzieren, der zwar viel Geld, aber bei weitem nicht Ovids Charme hat. Die Liebe entwickelt sich, die Lage spitzt sich zu: Corinna ist mit ihrem Sponsor auf einer Party eingeladen, auf der auch Ovid zugegen ist, und Ovid interessiert sich vor allem dafür, was unter den Tischen passiert. Mit Händen und Füßen versucht er seiner Flamme klarzumachen: ?Schau zu, daß du deinen Kerl betrunken machst und los wirst", steht er selbst doch nachts -der Arme!- vor der verschlossenen Tür seiner Geliebten und jammert, wenn er sich vorstellt, was sein Rivale gerade mit ihr anfängt. Diese ganze Liebesaffäre ist köstlich zu lesen, der Stil ist so federleicht, daß man gar nicht merkt, wie die Zeit beim Lesen verstreicht, und nebenbei lernt man noch eine ganze Menge über das zeitgenössische Rom, wie Frauen sich beraten ließen, sexuelle Vorlieben von Mann und Frau, ja selbst das Thema Impotenz wird in jenem praeviagrischen Zeitalter bereits thematisiert. Ja, ich bekenne: Ovid ist einer meiner Favoriten und dieses Buch ist, neben der ?Liebeskunst" und den ?Metamorphosen", zweifellos sein bestes. Es regt die Phantasie an und macht Lust darauf, sich selbst einmal wieder in ein Liebesabenteuer zu stürzen- Lesen und Lieben, das ist ein und dasselbe, wenn man es mit Ovid zu tun hat.


 für weitere Informationen klicken Sie hier



gut oder schlecht?    Was ist Ihre Meinung?     Schreiben Sie eine Rezension!





Empfehlungen

Ovid Publius


Suche nach Büchern
amores, liebesgedichte


Impressum / about us


Suche Literatur / Bücher:   



deutsch
Bücher  DVD  klassische Musik