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Das Wochenende
Bernhard Schlink

Diogenes, 2008 - 240 Seiten

durchschnittliche Kundenbewertung:basierend auf 13 Bewertungen
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Von Schlink erwartet der Leser einfach mehr

Bernhard Schlink, seit seinem Buch "Der Vorleser" auch international erfolgreicher Autor, hat in seinem neuesten Roman die jüngere deutsche Geschichte ins Visier genommen. Über die RAF ist viel gesagt und diskutiert worden, so viel, dass man meinen könnte, es gäbe nicht mehr viel hinzuzufügen. Vom Gegenteil kann auch Schlinks Roman "Das Wochenende" nicht überzeugen. Literarisch versucht sich der Autor des Themas anzunehmen und wirkt oft sprach- und ideenlos. Alles, was Schlink seinen Protagonisten in den Mund legt, hat man auf die eine oder andere Weise bereits gehört. So bleiben Schlinks Figuren meistens farblos, erscheinen oftmals als bloße Sprachrohre bestimmter und allzu bekannter Positionen in der Diskussion um die RAF.

Auch konzeptionell kann Schlink nicht überzeugen. Die Lehrerin Ilse, die ?nebenbei? die Geschichte des alten und inzwischen toten Weggefährten Jan neu schreiben will, sich dafür in den Kopf eines Terroristen hineinzudenken, Beweggründe und mögliche Emotionen zu finden versucht, wirkt mehr als plump.

So lobenswert Schlinks Versuch, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, ist, so wenig gelungen ist er, wenn man mehr als gängige Klischees und hölzerne Figuren erwartet. Einzig Schlinks Fähigkeit zu schreiben macht aus diesem Roman ein lesbares und trotz allem unterhaltsames Buch. Wirklich zum Nachdenken regt es nicht an, dafür kratzt Schlink zu sehr an der Oberfläche und schafft es nicht, seine Figuren mit der notwendigen emotionalen und gedanklichen Tiefe auszustatten.

Nicht mehr als eine literarische Bearbeitung der Diskussion um die RAF, ihre Ziele und Methoden. Schade, denn von Bernhard Schlink erwartet der Leser einfach mehr.


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Die Last der Vergangenheit führt zu ästhetischer Niedergeschlagenheit

Fehltritt und Buße, das sind eigentlich die großen, markanten Themen des Juristen und Schriftstellers Bernhard Schlink, seit seinem Weltbestseller "Der Vorleser". In seinem neuen Roman "Das Wochenende" beschäftigt er sich Kammerspiel artig mit dem Phänomen der RAF.

Zum Plot: Voller Stolz und Trotz hatte Jörg, der ehemalige RAF Terrorist, nach zwanzig Jahren eine Antrag auf Begnadigung gestellt. Christiane, seine Schwester, die ihn damals aus Angst und Liebe an die Polizei verraten hatte, holt ihn aus dem Gefängnis ab. Gemeinsam mit damaligen, gleich gesinnten Freunden, die mittlerweile ihren festen Platz im bürgerlichen Leben gefunden haben, möchte sie mit ihrem Bruder, in einer alten verfallenen Villa im Brandenburger Land, ein Wochenende verbringen. Eingeladen und anwesend sind die Bischöfin Karin, der Journalist Henner, die Lehrerin Ilse, der Geschäftsmann Ulrich mit Frau und Tochter, sowie der Rechtsanwalt Andreas. Sie alle kommen aus den verschiedensten Beweggründen, aus Neugier, Nostalgie oder Loyalität.

Die unterschiedlichsten Fragen werden in der "Wißt-ihr-noch-Runde" diskutiert. Was ist aus der Linken geworden? Wie konnten aus Kindern von Nazimördern mordende Terroristen werden? Wie kann man mit gesundem Menschenverstand meinen, dass eine Welt durch Mord eine bessere Welt wird? Kann die Gesellschaft durch Gnade für Mörder eine bessere Gesellschaft werden? Bei den Gesprächen über den deutschen Herbst, die RAF und die Begnadigung von Terroristen werden diese und andere Fragen differenziert und spannend diskutiert, wobei die Diskutierenden die alte Krankheit im nach hinein noch einmal einzuholen scheint.

Ihre verschiednen Lebenswege waren auf differenzierten Wahrheiten und Fundamenten begründet,deshalb brauchten sie zum Schulterschluss die Lüge. Ihre revolutionären Gedanken galten einer vergangenen Zeit, die nicht in die Gegenwart reichte, aber Erinnerungen wurden lebendig und so fühlten sich die zusammen gekommenen Freunde zugleich jung und alt. Der nicht eingeladene Sohn Marko mischt die diskutierende Runde auf und sitzt über den Vater zu Gericht. Der Sohn im Recht, der Vater im Unrecht? An der Unerbittlichkeit von damals erinnert die Flucht des Sohnes in den krankhaften Eifer und die Flucht des Vaters in den Trotz. Erschreckendes Fazit: Jörg hat scheinbar ein falsches Leben gelebt, steht am Ende mit leeren Händen da. Doch auch all die anderen alten Freunde können sich der Konfrontation mit ihren Lebensträumen und Lebenslügen nicht entziehen.

Ein bewegendes Buch mit sehr vielen Reflexionsebenen.




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Die große Sprachlosigkeit (Hörbuch-Rezension)

Der RAF-Terrorist Jörg wird nach 24 Jahren aus der Haft entlassen. Seine Schwester hat zur Begrüßung ein Treffen mit alten Freunden und früheren Weggefährten in einem abgelegenen Landhaus arrangiert.

Ihn erwartet eine illustre Schar Alt-68er, die sich mittlerweile gemütlich in ihrem bürgerlichen Leben eingerichtet haben und nun unversehens mit ihren früheren Gedanken, Zielen und Taten konfrontiert werden.


Schlink hat die Vita seines Protagonisten nahe an tatsächlichen Personen angelehnt, was den Hörer aber ärgerlicher Weise auf eine falsche Fährte führt. "Das Wochenende" ist eben kein Schlüsselroman, auch wenn sich der Schluss immer wieder in den Vordergrund drängt.

Die Athmosphäre im Landhaus ist angespannt, doch die große Abrechnung bleibt aus. Statt feuriger Dialoge finden die wirklichen Prozesse in den Gedanken der Personen stta und bleiben damit vage, im Bereich der Mutmaßung.

Gespräche werden zusehends zu Monolgen, an deren Ende die Sprachlosigkeit aller steht und die Enttäuschung des Hörers, der von manchen Figuren mehr Statement erwartet hätte.

Hans Korte ist eine gute Wahl des Verlages; er verleiht der Unsicherheit der Figuren, ihrem Irren, Verteidigen und Rechtfertigen eine Stimme, die in jeder Situation auf der Höhe des Geschehens.




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Terrorist mit Prostata-Problemen


Wir sagen natürlich, die Bullen sind Schweine, wir sagen der Typ in Uniform ist ein Schwein, das ist kein Mensch, und so haben wir uns mit ihm auseinanderzusetzen. Das heißt, wir haben nicht mit ihm zu reden, und es ist falsch, überhaupt mit diesen Leuten zu reden, und natürlich kann geschossen werden." (Ulrike Meinhof).
Die Geschichte der RAF ist auch ein großes Stück der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland Ende der 60er bis Anfang der 80er Jahre.
Es gab die Linksterroristen der RAF und es gab innerhalb der Gesellschaft Sympathisanten und eine heftige öffentliche Gegnerschaft gegen den Terrorismus in jeder Form.
Schleyer-Entführung, Mogadischu, Stammheim und Bader-Meinhof sind Stichworte jener Zeit.
Die meisten Terroristen wurden gefasst und verschwanden für lange Jahre im Gefängnis (oder vorher in die DDR, aber das ist eigenes Thema).
Inzwischen sind einige Jahre, ja Jahrzehnte ins Land gegangen - einige der RAF-Leute haben ihre Strafen abgesessen oder wurden begnadigt.
Und genau hier setzt Bernhard Schlinks Roman Das Wochenende" an: ein Terrorist (und vierfacher Mörder) wird begnadigt und aus der Haft entlassen - seine Schwester nimmt ihn in Empfang, bringt ihn zu sich nach Hause und hat dort ehemalige Freunde ihres Bruders eingeladen, die mit ihm sein erstes Wochenende in Freiheit feiern" und ihm die Resozialisierung erleichtern sollen.
Damit ist die erzählte Zeit auch umrissen: es sind die drei Tage des Wochenendes plus diverser Rückschauen. Die Personenkonstellation dieser drei Tage bleibt die gleiche (bis auf einen Überraschungsgast), sodass der Roman seine Spannung aus den Beziehungen und Konflikten der Personen miteinander bezieht. Konfliktpotential birgt vor allem das Verhältnis zum Terrorismus heute, aber auch persönliche Konflikte, die unterschwellig über die ganze Zeit existierten.
Im Prinzip liefert Schlink damit einen Abgesang auf die 68er-Generation: Prostata-Probleme, Rückenschmerzen, Fettleibigkeit und sexuelle Störungen -nur geraucht und gesoffen wird noch wie früher. Vor diesem Hintergrund hat das Romangeschehen fast karikierend groteske Züge, wäre da nicht der Protagonist, der als alter sturer Knacki in langen Jahren im Gefängnis immer noch kein richtiges Verhältnis zu sich und seinen Morden gefunden hat.
Warum ist das Buch zu empfehlen: Schlinks Sprache überzeugt in ihrer nüchternen Poesie und die Handlung wendet sich einem bundesdeutschen Gegenwartsthema zu. Von dieser Sorte Prosa gibt es in der deutschen Gegenwartsliteratur leider nur sehr wenig



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Meinungen: Seite 1, 2, 3



Kurz vor sieben holt Christiane ihren Bruder vom Gefängnis ab. Über 20 Jahre hat der Terrorist wegen verschiedener Morde eingesessen, jetzt ist er plötzlich begnadigt worden, ohne dem Kampf gegen das System öffentlich abgeschworen zu haben. Damit der Bruder sich in Freiheit besser sozialisieren kann, hat Christiane in einem heruntergekommenen Haus in der Einöde fürs Wochenende rund ein Dutzend Freunde eingeladen, die ihm bei seinem neunen Leben in Freiheit behilflich sein könnten. Aber schnell wird deutlich, dass die inzwischen Fünfzigjährigen und ihre Kinder (von denen eines einmal mit einem echten Terroristen geschlafen haben will) allerlei in die RAF-Zeit und ihr letztes lebendes Fossil hineinprojizieren. Und auch bei der schnell aufgeworfenen Frage, wer den Terroristen damals an die Polizei verraten hatte, gibt es eine so vom Leser nicht zu erwartende Überraschung, die zu allerlei Verwicklungen führt...

Irgendwie erinnert einen der Fall des Terroristen, der seine eigene Begnadigung durch eine Grußadresse an eine radikale Vereinigung fast noch selbst unterwandert, auffallend an eine wahre Geschichte, die den Blätterwald der deutschen Presse 2007 intensiv (vielleicht etwas zu intensiv) beschäftigt hat. Ansonsten aber hat Das Wochenende des inzwischen zwischen Berlin und New York hin- und herpendelnden Bestseller-Autors Bernhard Schlink wenig mit diesem RAF-Begnadigungsszenario zu tun. Vielmehr geht es dem Autor in seinem an drei Tagen spielenden Roman, den man nur wegen des großen Figurenpersonals nicht als Kammerspiel bezeichnen kann, darum, eine Zeit zu rekapitulieren, in der sich eine (wenn auch kleine) Gruppe schuldig machte -- und darum, zu diskutieren, inwieweit der revolutionäre Kampf und die Haft die Menschen verändert hat, die unmittelbar betroffen waren. Darüber hinaus erzählt Das Wochenende von dem, was von den Lebensträumen einer lebenshungrigen Generation übrig blieb -- und davon, warum eine nachwachsende Generation vom Scheitern der vorangegangenen nicht lernen will und kann.

Schuld und Verstrickung, Sühne und Illusionen der deutschen Geschichte -- irgendwie ist Schlink seinen großen Themen treu geblieben. Aber es ist ihm auch gelungen, diesen Themen neue Aspekte abzugewinnen. Und dabei ist das Ganze auch noch überaus klug und spannend beschrieben. -- Stefan Kellerer, Literaturanzeiger.de


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