Mit diesem Ansatz steht Mikunda zwar nicht allein auf weiter Flur, aber er sagt seinen Lesern nicht nur, was sie tun sollen, sondern führt es auch gleich vor. Und wie er das macht! In spielerischer Manier nimmt er uns auf eine faszinierende Zeitreise mit, und lässt uns anhand zahlreicher Beispiele erleben, welche Geschichten erfolgreiche Beeinflusser erfanden, welche Strukturen diese Erzählungen haben, welchen Gesetzen unterhaltsame und ergreifende Inszenierungen folgen. Und so wird der Leser sanft von einer Ebene zur nächsten geführt, ohne dass er unter theoretischem Ballast zusammenbricht und die Lust am bunten Geschehen auf Mikunda Bühne verliert. Schliesslich ergibt sich aus all dem ein Feeling für Strategisches, ein anschauliches Modell, das sich in der Praxis seit Jahrhunderten bewährte und lediglich neu interpretiert und variiert werden muss. Nie beschlich mich das unangenehme Gefühl, der Autor wolle eines seiner Erfolgsgeheimnisse für sich behalten. Wahrscheinlich macht auch er die Erfahrung, dass er sein Wissen locker preisgeben kann. Denn bis seine unbedarfteren Berufskollegen den neuen Ansatz strategischer Dramaturgie so verinnerlicht haben, dass sie ihn auch anwenden können, ist Mikunda schon wieder einen Schritt weiter. Geistiges Copyright ist etwas für Langsame.
Bei der ersten Auflage kritisierte ich die teilweise veralteten Beispiele. Und nun lese ich im Vorwort der Neuauflage, dass Mikunda meine damalige Besprechung offenbar als Zusatzmunition benutzte, um seinen Verleger von der Notwendigkeit einer Aktualisierung zu überzeugen. Wie dem auch war, se non vero e ben trovato. Jedenfalls sind die Beispiele tatsächlich aktuell, was meine Begeisterung für dieses Buch nur noch steigert. Inzwischen freundete ich mich sogar mit Mikundas Tick an, seine strategischen Tipps und Kategorien in Formeln zu fassen, obschon ich die Kürzel noch immer nicht wiederholen könnte. Aber er zeigt damit zumindest an, dass sich seine Theorie auf Einfaches reduzieren lässt. Und gerade im Marketing ist ein solches Bekenntnis zur Reduktion notwendig und selten zugleich. Als Leser, der sich auch immer von der Ästhetik einnehmen lässt, freut mich auch die Überarbeitung der Grafiken, die nun nicht mehr an den Layoutbrei von Bill Gates erinnern, sondern eigenständig und klarer daherkommen. Nicht um Christian Mikunda erneut Zusatzbegründungen für die nächste Auflage zu liefern, sondern weil mich das Detail echt störte, gibt es zum Schluss doch noch eine Kritik. Die ohnehin schon etwas dürftige Literaturliste der ersten Auflage wurde gerade mal durch vier neue Titel ergänzt, von denen einer von Mikunda selber stammt und ein weiterer auf den guten alten Watzlawick von 1976 hinweist. Dabei gäbe es doch tatsächlich Kollegen, die Mikundas Denkgebäude stützen und für besonders neugierige Leser von Interesse sein könnten. Aber der Meister strategischer Dramaturgie sagt sich wohl, dass es für erfolgreiches Marketing vollends genügt, wenn sein Modell begriffen und konsequent umgesetzt wird. Und da hat er nicht unrecht.