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Das Eva-Prinzip: Für eine neue Weiblichkeit
Eva Herman

Goldmann TB, 2007 - 264 Seiten

durchschnittliche Kundenbewertung:basierend auf 137 Bewertungen
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wieso so ein rummel?!

die frau schreibt doch nur IHRE wahrheit, manche stimmen zu und manche nicht, ich für meinen teil find wenn man genau überlegt findet man etwas wahres dran


Eva Hermann - das Medientrauerspiel

Zugegeben: Die Namen der schönen Blondinen, die mir die abendlichen TV-Nachrichten vorlesen, waren mir stets schnuppe, und es gibt unterhaltsameren Show-Bizz als unsere Talk-Shows. Ich bekenne, vor dem Rauswurf von der spätbraun gescholtenen Eva ebensowenig wie vom mutig-coolen Johannes nie etwas gehört oder gelesen zu haben. Auch der nachfolgende Medienknall ließ mich unberührt. Erst das Ergebnis zweier auffällig einander widersprechender "repräsentativer Umfragen" im Magazin der Süddeutschen Zeitung weckte mein Interesse: Weit mehr als 50 % der Bundesbürger meinten, die wichtigste gesellschaftliche Rolle der Frau liege in ihrer Verantwortung für Kinder, Familie und ein harmonisches Heim. In offensichtlichem Widerspruch dazu verurteilten aber ganze 75 % der Bundesbürger Hermans "Eva-Prinzip" als "falsch und überholt" - und applaudierten sogar der fristlosen Kündigung ihres Arbeitsverhältnisses beim NDR:
Was bedeutet überhaupt ihr "Eva-Prinzip", was macht es so brisant? Und: Wie steht es mit dem Grundrecht der freien Meinungsäußerung, wie mit unserer Pressefreiheit, die - so unser höchstes deutsches Gericht - auch überzeichnete, gar extreme Äußerungen ermöglicht und vor obrigkeitlicher Maßregelung schützt, wie steht es mit dem arbeitsrechtlichen Kündigungsschutz angesichts eines fast 20-jährigen Dienstverhältnisses, kurzum: das Buch mußte her und war sogleich gelesen.
Bereits während der Lektüre trafen mich zahlreiche ablehnende, von Männern auch über das weibliche Geschlecht witzelnde, selten neugierige Kommentare meiner Mitmenschen,. Gelesen hatte das Buch niemand, wenige hatten die Hinauswurf-Show gesehen. Nach einigen Kapiteln konnte ich mich zum Inhalt äußern und befand mich unversehens immer wieder in einer Debatte über Emanzipation, Karriere, Mutterschaft, Kinder und Lebensglück - das Thema ist virulent wie selten zuvor. Meinem dann aufkeimenden Gedanken, der Hinauswurf könnte nur ein PR-Gag für die Verkaufszahlen des Buches gewesen sein, machte die weitere Lektüre alsbald ein schnelles Ende.

Ich erkannte: Hier schreibt ein Mensch in der Mitte seines Lebens sehr subjektiv, aber ehrlich bemüht. Ein Mensch, der auf dem Gipfel einer langen Traumkarriere steht, der viele Jahre Arbeit rund um die Uhr hinter sich hat, sich bislang ausschließlich über seinen Beruf definiert hat, dort allseits uneingeschränkt Anerkenung gefunden hat, ja, vom Publikum mehrmals zur beliebtesten Moderatorin Deutschlands gekürt worden war. Dieser Mensch stellt nun die Fragen, die er bislang nicht stellen konnte, etwa nach dem gesellschaftlichen Sinn seines Lebens oder der Bedeutung privaten Lebensglücks. Dieser ein halbes Jahrhundert auf diesem Planeten lebende Mensch - das Geschlecht ist zunächst gar nicht relevant - fragt rückblickend kritisch, ob er heute hinter seinem bisherigen Leben stehen kann, das beruflich ohne jeden Misserfolg, privat allerdings nicht so erfüllend verlaufen ist. Letztere Erkenntnis macht ihn unzufrieden, frustriert ihn. Er versucht, anders als viele in ähnlicher Erkenntnissituation, Ursachen herauszufinden, analysiert eigene und fremde Erfahrungen, fragt anerkannte (namentlich bezeichnete) Wissenschaftler und plädiert schließlich für eine Verhaltensüberprüfung und -änderung in allen gesellschaftlichen Institutionen. Das beste ist, er will eine breite Öffentlichkeit an den Erfahrungen seines herausragenden Lebens teilhaben lassen. Er will die Öffentlichkeit damit konfrontieren, zur Diskussion anregen, ja möglichst im Interesse seiner Mitmenschen, gleich welchen Geschlechts, erreichen, dass diese das, was ihn unglücklich macht, was er retrospektiv anders gemacht hätte, nicht unreflektiert wiederholen bzw. erleiden müssen.
An manchen Stellen könnte zwischen den Zeilen auch eine Entschuldigung für vergangenes eigenes Fehlverhalten oder ein Hilfeschrei stehen. Dieser Mensch ist nun zufällig eine Frau, und ihre Lebenserfahrungen und Erkenntnisse stellen die herrschenden Thesen der Emanzipation, angefangen vom "nur kleinen Unterschied" über den "anerzogenen Zwang zur Heterosexualität" bis hin zur "frühestmöglichen Säuglingsabgabe im Berufsinteresse" kritisch in Frage. Ihre Argumentation ist sachlich, wird an vielen Stellen wissenschaftlich gestützt und belegt - menschlich, natürlich, vorurteilsfrei, modern und gesellschaftlich zukunftsorientiert. Es wird auf keiner Seite des Buches die Rückkehr des Heimchens an den Herd oder die Gebärmaschine propagiert. Sie schreibt dem Frauenbild im Nationalsozialismus seitenlang ein vernichtendes Urteil (S.134 - 139), aber auch der Kleinstkinderaufzucht in der DDR.
Zitat: "Was viele nicht wissen: Unsere distanzierte Haltung zu unseren Kindern steht auch in einem direkten Zusammenhang mit einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, dem Dritten Reich. Die Theoretiker des Nationalsozialismus erkannten früh, dass die Frage der Kindererziehung höchste politische Relevanz hatte. Das beschränkte sich nicht auf die erwünschte Steigerung der Geburtenrate, die sich in der Auszeichnung mit dem "Mutterkreuz-Orden" für Frauen mit vielen Kindern ausdrückte. Es traf vielmehr die konsequente Einflussnahme auf den vormals privaten, familiären Bereich von Geburt, Mutterschaft und Säuglingspflege. Es ging nicht nur darum, "dem Führer Kinder zu schenken", sondern die Kinder so früh wie möglich nach den Maßgaben des nationalsozialistischen Menschenbildes zu formen. Betrachtet man diese ideologischen Grundlagen, wird schnell klar, dass der Hitler-Staat alles daransetzte, jeden gesellschaftlichen Bereich zu kontrollieren und jede private Nische zu vernichten, in der sich individuelle Lebensformen entwickeln konnten. Verwirklichen ließ sich das nur, indem die Gruppe, das Kollektiv, die "Volksgemeinschaft" über den einzelnen Menschen gestellt wurde, eine Ideologie, die wir auch im DDR-Sozialismus immer wieder beobachten konnten. Damit wurden Kinder zum Politikum. Um ihre Erziehung zu nationalsozialistischen Bürgern zu gewährleisten, solten sie der elterlichen Fürsorge so früh wie möglich entzogen werden. Es gab nur ein Problem: die emotionale Bindung der Eltern an ihre Kinder. "
Sie setzt dann fort, wie perfide der Nazi-Staat versuchte, diese Bindung systematisch zu zerstören.
"All das klingt heute erschreckend, die politischen Folgen sind bekannt." (S.144).

Jeder, der Eva Herman die sachliche Diskussion verweigert und sich auf das braune Totschlagargument, das ihre öffentliche Hinrichtung durch Kerner zur Folge hatte, beschränkt, hat das Buch nicht gelesen und hat fairen Widerspruch verwirkt, er argumentiert auf der Ebene von Goebbels und von Schnitzler.

Eva Hermans im einzelnen belegte Erlebnisse und Folgerungen daraus - das Eva-Prinzip genannt - lauten sehr verkürzt: Der Feminismus beruht ideologisch auf der Marxschen These, Menschsein definiere sich ausschließlich aus Arbeit und Beruf Eine These, die sich zwischenzeitlich als überholt erwiesen habe. Männer und Frauen sind gleichwertig, aber nicht gleich. Partnerschaft soll die Vorgaben der Natur nicht unterdrücken, sondern darauf aufbauen. Mancherlei Dinge kann Frau eben besser als Mann, bei anderen ist es umgekehrt. Jeder Mensch soll herausfinden dürfen, welche Lebensform er für sich wünscht und diese auch frei von staatlichen oder gesellschaftspolitischen Vorgaben leben dürfen, ohne diskrimiert oder lächerlich gemacht zu werden. Gefordert wird mehr staatliche und gesellschaftliche Toleranz gegenüber solchen Lebensentscheidungen, weg von gesellschaftlichem Einheitsdenken. Jede Frau soll ohne feministische Denkvorgaben aus Schule, Medien oder Politik ihre eigene Lebensplanung unbeeinflußt, ggfs. in Abstimmung mit ihrem Partner, entscheiden, egal ob sie kinderlos Karriere und Unabhängigkeit bevorzugt, ausschließlich in ihrer Familie ihr Glück, Lebensfreude und -erfüllung findet oder beides kombinieren will. Für die Zukunft unserer Gesellschaft hält sie persönlich aufgrund einer detaillierten Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben allerdings eine Entscheidung der Frau zugunsten der Familie für vorteilhafter, zumal sie dies aufgrund ihrer biologischen Vorgaben besser als ein Mann kann.

Das Buch stellt diese Thesen argumentativ nachvollziehbar dar. Es ist der ernsthafte Versuch einer Problemlösung, die Schäden von unseren Nachkommen abwenden will, indem sie die bestausgebildete Frauengeneration aller Zeiten zu Kritikfähigkeit gegenüber eigenem Verhalten auffordert. Ihre Thesen finden schließlich sachlich breite Zustimmung im Volke (zum Unwort des Jahres 2007 ist soeben mit großer Mehrheit der Begriff "Herdprämie" gewählt worden, mit dem Frauen diskriminiert werden, die ihre Kinder zu Hause aufziehen wollen und einen Krippenplatz ablehnen). Gleichwohl hat die Verfechterin solcher Ansichten den Zorn aller Nur-Karrierefrauen und Emanzen, die im Volke gerade nicht zur schweigenden Mehrheit zählen, auf sich gezogen. Alice Schwarzer, Thea Dorn, Desiree Nick, Iris Radisch und unsere ideologischen Meinungswächter beiderlei Geschlechts haben prompt reagiert. Sie tun ihrer Geschlechtsgenossin bitter Unrecht: Denn diese hat in bester Absicht für die Zukunft unserer Menschen unter höchstpersönlicher Lebenskritik zum Nachdenken aufgefordert - nicht mehr und nicht weniger - und ohne Nazipropaganda. Sie propagiert nicht die ihr vorgeworfene "Rolle rückwärts". Iin Wahrheit fordert sie vielmehr eine "Rolle vorwärts" für unsere Gesellschaft!

Offen bleibt die Frage, warum nicht aus der Sache, sondern polemisch gegen die Person argumentiert wird. Etwa "sie hat das Eva-Prinzip selbst nicht gelebt" oder "sie hat braunes Gedankengut geäußert". Dies ist - vor allem angesichts der eingangs zitierten Umfrageergebnisse - sehr bedauerlich. Warum ist die sachliche These zur Bedeutung von Kind, Familie und Haus für das Lebensglück mehrheitsfähig, ihre Verfechterin Eva Herman als Person jedoch plötzlich nicht mehr? Nachdenklich muss auch stimmen, dass ich sogar gewarnt wurde, überhaupt ein Buch von "der" zu rezensieren, ich würde dann doch mit "so einer" in eine Ecke gestellt werden.
Der Tagesspiegel hat dieses Phänomen bissig mit der in Deutschland herrschenden "Moral zum Nulltarif" erklärt: Eva Herman wird geprügelt, weil sie einen so banalen Anlass geliefert hat und weil jeder, der auf sie eindrischt, sich dabei wie ein aktiver Anti-Nazi vorkommen darf - zum Nulltarif. Es wäre ein wenig mühsamer und riskanter, sich einer Horde NPD-Demonstranten in den Weg zu stellen oder einen Inder in Mügeln vor dem rasenden Mob zu beschützen. Eine Gesellschaft, deren Wehrhaftigkeit sich in dem Satz "Nie wieder 33!" erschöpft, braucht Ventile, über die sie Dampf ablassen kann, ohne sich dabei die Finger zu verbrennen. Da kommt Eva Herman wie gerufen.

Eva Herman hat ein Buch geschrieben, das in der Sache mit Recht diskutiert wird. Es ist keine literarische Spitzenleistung, wiederholt sich stellenweise, ist aber lesenswert und verdientermaßen in die Bestsellerlisten gelangt; in jedem Fall ist das Buch aber ein überzeugendes Plädoyer dafür, jeder Frau ein Wahlrecht zuzugestehen, sich ihre Lebensgestaltungsmöglichkeiten bewußt zu machen und frei über ihre Lebensform ohne soziale Zwänge und Diskreditierungen entscheiden zu dürfen.
Mir aber verbleibt die Frage, ob unsere Medien auch sonst ihre Konsumenten, d. h. uns alle, ohne Rücksicht auf das Schicksal Einzelner oder Zukunftsschäden für unser Staatswesen und die Demokratie zielgerichtet manipulieren? Warum sie eine offene Wertediskussion über unser zukünftiges soziales Leben, etwa um eines billigen Rauswurfrummels, sprich:der Einschaltquoten willen, verhindern wollen und so unsere Grundrechte wie z.B. gerade die Meinungsfreiheit gröblichst missachten?




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Was soll da NICHT stimmen?

Bei der ganzen Aufregung frage ich mich, wer das Buch überhaupt gelesen hat. Ich bin begeistert von dem Buch. Natürlich ist es jeder/m gestattet, selbstständig zu denken. Andererseits sollten einige das Denken den überlassen, die mehr davon verstehen. Aus eigenen Fehlern zu lernen ist kein Kunststück. Kluge Menschen lernen aus den fremden Fehlern. Wer hat schon Zeit alle Fehler selbst zu machen! Also Leute: das Buch ist ABSOLUT LESENSWERT.


Hexenjagd. Oder: Wer fühlt sich hier warum bedroht????

Ich habe das Buch bisher nicht gelesen, und Frau Hermann kenne ich erstlinig aus der Negativpresse. Dennoch provozierende 5 Sterne.

Denn: Es verblüfft mich immer wieder, wieso man denn einer Frau, deren Meinung pauschal als "dumm, hinterwäldlerisch, frauenfeindlich" gebrandmarkt wird, dann auch immer wieder eine öffentliche Plattform gibt und ihre Äußerungen brühwarm zitiert... SO gesellschaftlich bedeutsam ist sie ja nun auch wieder nicht...
Um so mehr gibt diese schon Hexenjagd zu nennende, erschreckend aggressive öffentliche mediale Sturmflut gegen Frau Hermann zu denken. Was hat sie denn so Entsetzliches gemacht? Ein Buch verfassen und eigene Beobachungen und Reflektionen darin zu äußern ist doch jedem erlaubt! Diese Meinungen kann man dann teilen oder auch nicht. Man kann sich sogar frei entscheiden, ob man das Buch kauft oder nicht. Und Frau Hermann ist keine Frauen- oder Familienministerin, sie trifft keine uns alle betreffenden Entscheidungen.

Wenn sie wieder klareres Rollendenken und mehr Sorgfalt auf Kinder-Mütter-Bindung befürwortet, ist das doch eine freie Meinung einer freien Bürgerin! Die sie in einer Demokratie äußern dürfen muß!

Es gibt zu denken, daß diese Aussagen nun so viel Emotionen aufpeitschen. Begriffe wie Mütterlichkeit, Weiblichkeit, Familie, männliches und weibliches Rollenmuster scheinen in der heutigen Zeit auf sehr viel Angst und Aggression zu stoßen.
Anders läßt sich diese Eva-Schelte nicht erklären! Wie gesagt - die bloße Existenz eines Buches einer von so vielen Autorinnen zwingt doch nun keine Frau wieder an den Herd zurück! "Das Eva-Prinzip" ist doch kein Gesetzentwurf zur Aberkennung demokratischer Bürgerrechte und Berufsverbot für Frauen! Und auch kein verpflichtender Befehl zum Kindergebären!

Es ist doch nur ein Buch einer ehemaligen Moderatorin! Dem zugestanden sein muß, nach dieser Tsunamie-Debatte, daß es wohl tiefe Wunden und Reizthemen der Gesellschaft aufgezeigt hat. Sonst könnte es doch sanft und unscheinbar zwischen all den anderen Frauen-, Gesellschafts-, Partnerschafts- etc.pp.-Ratgebern dahinplätschern.

Jede Frau, die sich allen Ernstes von den Gedanken einer Eva Hermann bedroht fühlt, hat wirklich ein ernstzunehmendes Problem. Für das aber die Hermann nichts kann. Wenn ich als Frau Karriere machen will und überzeugt davon bin, kann es mir doch egal sein, was eine Frau Hermann denkt. Oder ich kann es als andere Meinung mal so im Raume stehen lassen.
Und wenn ich lieber Hausfrau und Mutter bin, kann ich mir von Hermanns Buch die Rückenstärkung abholen, daß ich trotzdem noch eine Berechtigung habe und mich nicht schämen muß ob meiner Vorsintflutlichkeit...

Vielleicht könnte man nun dazu übergehen, Frau Hermann aus dem Fokus zu entlassen. Und aufhören, sich an ihr abzureagieren. Sondern anfangen, sein Leben zu überdenken, Prioritäten zu setzen und dann dazu zu stehen!


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Meinungen: Seite 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10



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