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"Senk ju vor träwelling": Wie Sie mit der Bahn fahren und trotzdem ankommen
Mark Spörrle

Herder, Freiburg, 2008 - 192 Seiten
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Einsteigen heißt nicht automatisch auch Ankommen

Bevor es heißt Die Fahrkarten bitte" muss ein Bahnreisender heutzutage nach dem Empfinden der Autoren Mark Spörrle und Lutz Schumacher die Leistung eines Risikosportlers beim Überlebenstraining im Amazonas vollbringen. Bei solchen Aussagen könnte die nächste Durchsage auch lauten: Die nun folgenden Seiten weisen erhebliche Übertreibungen auf. Manche Beschreibungen über fehlgeschlagene Reservierungen oder eindeutig falsche Informationen von der Deutschen Bahn kann man kaum glauben. Von daher stellte ich mich auf eine Art Satire ein als ich mit dem Buch begann. Die äußerst kleingedruckten Fußnoten mit scheinbar belegten Quellen sollten offenbar einen Hauch von Sachbuch vermitteln. Das anfängliche Schmunzeln verging mir aber immer mehr. Als sogenannter Vielfahrer kam mir so vieles bekannt vor und manchmal hatte ich sogar Déjà-Vus mit den beschriebenen und allesamt der Phantasie entsprungenen Mitreisenden. Mir wurde auch schon plausibel erklärt, dass eine bestimmte Strecke nicht mehr bedient würde und ich deshalb mit einer halbstündigen Wartezeit einen anderen Zug nehmen müsse. Überrascht stellte ich seinerzeit fest, dass ich eigentlich nur in eine S-Bahn hätte umsteigen müssen, um mein Ziel obendrein noch schneller erreichen zu können.

Solche Anekdoten kann wohl jeder erzählen, der mehr oder weniger regelmäßig die Deutsche Bahn in Anspruch nimmt. Fast überall gibt es eine Jessica Schipp, die sich mit den Buchungssystemen nicht ganz so genau auskennt oder der rüstige Rentner, der vorsorglich auch die Abfahrzeiten der nächsten zwölf Anschlusszüge am Automaten ausdruckt. Deshalb habe ich mir aber noch nie eine Isomatte und haltbare Lebensmittel für eine weitere Woche mitgebracht. Glücklicherweise brauchte ich bislang nichts von all dem. Die meisten Züge kamen im Zeitrahmen an. Vermutlich werde ich aber nie wieder vorbehaltlos einer Aufforderung zum Gleiswechsel nachkommen. Mein Blick wird bestimmt jedes Mal eine der Kameras auf den Bahnsteigen suchen.

Das 190-seitige Buch als Überlebenshandbuch zu bezeichnen, ist eindeutig übertrieben und bestimmt nicht ernst gemeint. Die Autoren haben einige Ereignisse zusammen getragen, die für Reisende sehr ärgerlich sind. Vielmehr sehe ich die Lektüre als satirische Unterhaltung während einer langen Zugfahrt oder auf den Umsteigebahnhöfen im Wartesaal. Vielleicht war das Buch als eine Art Aufrütteln der Bahnverantwortlichen gedacht. Das hat offenbar geklappt. Gerade kürzlich sprach ein Mitarbeiter der Bahn bei einer Umfrage davon, dass er nach Möglichkeiten suche, den Service für die Reisenden zu verbessern. Wenn ich am Buch etwas verbessern dürfte, wäre es der Preis.


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Köstlich überzeichnet, aber sehr treffend

Wenn ich Bahn fahre, mache ich das meist am Wochenende. Und es geht fast jedes Mal etwas schief. "Triebfahrzeugschaden", "Signalstörung", "Böschungsbrand" etc., man kennt sie in- und auswendig, die Ausreden eines (immer noch) Quasi-Monopolbetriebes für schlechten Service und mangelhafte Wartung. Natürlich können MAL Störungen auftreten, aber die meisten wären vorhersehbar und damit abstellbar. Bei der DB passieren die Zwischenfälle einfach zu häufig. Der Schienenverkehr ist eigentlich das beste Verkehrsmittel überhaupt. Schade, dass er in Deutschland so lausig betrieben wird.

Ein fast konkurrenzloses Unternehmen hat leider wenig Anreiz, gute Arbeit zu leisten. Den Kunden bleibt nicht viel mehr als Spott und Verachtung zu äußern. Und das leistet dieses Buch recht gut. Das Lachen über die satirischen, köstlich überspitzten, aber oft messerscharf treffenden Anekdoten hilft einem, die bereits erlittenen Qualen besser zu ertragen. Zu der Erkenntnis, ich bin nicht der einzige, dem so etwas dauernd passiert, gesellt sich beim Lesen das Wissen, ich bin nicht der einzige, dem der miese Service auf den Keks geht. Einen Literatur-Nobelpreis wird es dafür nicht geben, aber immerhin ist das Buch auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Leider ist das Buch nicht vollständig und deckt nicht alle Skurrilitäten ab, die man so erlebt hat. Aber laut zugehöriger Website arbeiten die Autoren an einer zweiten Auflage und sammeln dafür Material in ihrem elektronischen Gästebuch.


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Noch schlechter als die Bahn...

...so etwas gibt es tatsächlich, nämlich dieses Buch.

Die beiden Autoren bemängeln doch nichts anderes, als dass die Bahn ihre Arbeit schlecht macht. Leider machen die beiden Autoren ihre Arbeit noch schlechter. Anstatt zu recherchieren machen sie ein paar alberne Witzchen, die vielleicht eine Glosse auf Seite 28, Spalte links unten in ihrer Zeitung verdient hätte, und walzen sie zu einem ganzen Buch aus. Eine Reportage über die Bahn, ihre Probleme und mögliche Lösungsansätze hätte man durchaus auch ansprechend und amüsant schreiben können; dieses Buch hat Informationswert Null und das Niveau der Unterhaltung ist deutlich darunter.

Die Lektüre ist verschwendete Zeit, der Kauf verschwendetes Geld und der Peinlichkeitsfaktor, wenn man das Buch verschenkt, beträchtlich. Senk ju for not beiing.


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Meinungen: Seite 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7



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