Der Held mit dem ramponierten Kopf ist Edgar Freemantle. Bis ihm ein Unfall den Arm abriss und das Hirn zertrümmerte, war er ?eine große Nummer im Baugewerbe?. Jetzt ist sein Körper und sein Sprachzentrum in Mitleidenschaft gezogen: eine unheilvolle Kombination, die Freemantle nicht nur zu unkontrollierbaren Gewaltausbrüchen provoziert, sondern auch zu akrobatischen Höchstleistungen wie der, seine Frau mit nur einem Arm fast zu erwürgen. Mit einer ?Wutmanagementpuppe?, Pinsel, Palette und ein paar Leinwänden schickt Freemantles Psychiater das Körper- und Seelen-Frack auf die Insel. Hier erfüllt sich Freemantle den alten Jugendtraum des Malens. Aber die Bilder beginnen, ein dämonisches Eigenleben zu entwickeln. Totenschiffe tauchen auf, wo in der Wirklichkeit idyllische Boote fuhren, ein böser Geist namens Perse entschlüpft der Malerei und tötet eine von Freemantles geliebten Töchtern. Der Maler muss handeln, um nicht sich und seine Welt gänzlich in den Abgrund zu stürzen...
Er schreibe vor allem deshalb, weil man ?Schrecken erfinden müsse?, um ?mit dem tatsächlich existenten besser fertig zu werden?, hat Stephen King einmal geschrieben. Bei Wahn könnte der wirklich existente, autobiografische Horror jener sein, den der Autor nach seinem eigenen schweren Autounfall 1999 wohl empfunden hat. Der Rest ist Grauen, rein fiktives Grauen, das sich ausschließlich der phantastischen Kopfgeburt Kings verdankt. Aber dieses Grauen ist wahrhaft schrecklich. Und Wahn ist ein imposantes Beispiel gelungener Horrorliteratur.-- Thomas Köster, Literaturanzeiger.de