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Die Elenden / Les Misérables
Victor Hugo

Patmos, 2006 - 1760 Seiten

durchschnittliche Kundenbewertung:basierend auf 22 Bewertungen
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Kleine Schwankungen, aber gut erzählt

Auf der Suche nach klassischer Literatur, die man meines Erachtens einmal gelesen habn sollte, stiess ich auf den Roman "Die Elenden / Les Miserables (Gebundene Ausgabe)von Victor Hugo (Autor), Paul Wiegler (Autor), Wolfgang Günther (Autor)".
Es handelt sich hierbei um eine gebundene Ausgabe mit knapp 1745 Seiten.

Erzählt wird die Geschichte von Jean Valjean, einem Galeerenhäftling und "Baumputzer", der nach dem Zusammentreffen mit einem Bischhof ein guter Mensch wird und trotzdem sein ganzes Leben flüchten und sich vertecken muss, während er eine Stieftochter väterlich aufzieht. Aber nicht nur Seine Geschichte wird erzählt, sondern auch die der "Elenden", also jener, welche im "Elend" leben. Dazu reihen sich viele Personen, die ihm auf schicksalshafte Weise während der Erzählung, immer wieder begegnen und die den Fortgang seines Lebensweges bestimmen.

Das Buch ist angenehm geschrieben und lässt sich leicht lesen, auch wenn dem Leser hin und wieder Begriffe begegnen, die in der heutigen Zeit eher ungebräuchlich sind. Unglücklicherweise unterliegt die Geschichte vieler Schwankungen.

Es gibt Stellen, die die Handlung mühelos forttragen und die Neugierde auf die nächsten Seiten wachsen lässt. Leider hat der Autor aber auch Handlungshintergründe eingebaut, die zwar der Geschichte eine bildliche Tiefe geben, die man aber nicht unbedingt vermissen würde, gäbe es sie nicht. So beginnt das Buch mit der Erzählung über einen Bischhof Myriel, dessen halbes Leben beschrieben wird. Die Beschreibung hilft zu verstehen, warum dieser Mann an späterer Stelle auf gewisse Weise handelt, der Leser würde dies aber auch ohne die grosse Vorgeschichte verstehen. Weitere solche Stellen sind Hintergründe über die Kanalisation von Paris oder ein ganzes Kapitel über Waterloo. Hier erfährt der Leser, wie Napoleon am Morgen der Schlacht seine Soldaten empfängt, zu Mittag isst und die Schlacht dirigiert. Hinzu kommen Essays und Interpretationen der Schlacht, bei denen man das Gefühl bekommt, der Autor möchte dem Leser seine Sichtweise der Erlebnisse regelrecht aufzwingen und die Weltgeschichte so verkaufen, wie er sie sieht. Nett zu lesen, für die eigentliche Handlung aber nicht notwendig.

Wer es aber schafft, diese markanten Punkte zu überwinden, findet eine gut erzählte und rührende Geschichte mit Stellen, die philosophischen Charakter haben und teilweise auch das Herz berühren. Eine meiner Lieblings-Stellen sei hier einmal genannt, um zu erklären, was gemeint ist:
"....Die Liebe kennt keine Halbheiten, entweder sie richtet zugrunde oder errettet. Das ganze menschliche Schicksal ist in diesem Dilemma beschlossen. Verderben oder Heil, keine Schicksalsfügung bringt es unerbittlicher als die Liebe.....von allen Dingen die Gott erschuf, verbreitet des Menschen Herz am meisten Licht und leider auch am meisten Nacht" (S.1119)

Schön herausgearbeitet sind auch die vielen Einzelschicksale. Jedes wird eingehen beschrieben und so erhält die Story ihre Mannigfaltigkeit, die es zum Lesen wert macht.

Eine weitere nette Sache ist, dass viele Einzelschicksale miteinander verbunden sind. So bleibt es nicht aus sich die "Was-wäre-wenn"-Frage zu stellen. Die Änderung einer Begebenheit am Anfang des Buches hätte sicherlich ein anderes Ende zur Folge. Das regt die Phantasie an und der Leser wird indirekt aufgefordert, mitzudenken.

Das Buch wird also Lesern gefallen, die nichts gegen einen kleinen Ausflug in vergangen Zeiten haben und ein Buch nicht gleich in 2-3 Tagen durchlesen wollen. Da die Handlung mit einer nicht aufdringlichen Melancholie begleitet wird, ist das Buch geeignet für Personen, die sich als weniger rational bezeichen würden. Kurzum: Viel Handlung, ausgefallene Handlungszweige, eine nette Liebesstory inbegriffen und ein besinnliches Ende.


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Ein großartiges Epos der Weltliteratur

Das Epos "Les misérables" von Victor Hugo erzählt die Geschichte des aus einem Straflager entlassenen Häftlings Jean Valjean, der - geläutert durch eine Begegnung mit dem Bischof von Digne - versucht sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Verfolgt durch den Polizeiinspektor Javert, muss er feststellen, dass er auf immer verdammt ist außerhalb dieser zu stehen.

Die Langatmigkeit die von vielen Lesern beklagt wird liegt sicherlich in der Tatsache begründet, das Victor Hugo dieses Epos erst etappenweise über viele Jahre hinweg geschrieben und schließlich 1862 fertiggestellt hat. Diese Entstehungsgeschichte spiegelt sich in einigen Brüchen im Spannungsverlauf der Geschichte wieder, so dass einige Passagen zeitweilig die Geduld des Lesers herausfordern. Nichtsdestotrotz ist das Werk insgesamt durch die interessante und geschickt gewobene Geschichte sehr fesselnd. Außerdem bemerkenswert sind die sehr bildhaften Vergleiche, die Hugo meisterhaft zu verwenden versteht.

Mein Fazit: Man muss etwas Zeit einplanen für das Buch, wird aber durch die spannende Geschicht zu genüge entschädigt. Nicht umsonst ein Klassiker der Weltliteratur.


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Französischer Romanklassiker

In Hugos Roman werden vor allem die sozialen Bedingungen in Frankreich Anfang des 19. Jahrhunderts beleuchtet. Es besteht vor allem ein grosser Gegensatz zwischen einer wohlhabenden Schicht und den armen Leuten. Unten ist es dann ganz schwer um über die Runden zu kommen. Der Überlebenskampf führt so des öfteren in ein kriminelles oder ein unmenschliches Dasein. Obwohl es eigentlich kein Schwerverbechen ist ein Brot zu klauen falls man hungrig ist, wird dieses Vergehen als solches gehandelt. Dies passiert der Hauptperson Jean Valjean. Nach seinem Gefängnisaufenthalt ist er dann, trotz guter Vorsätze, verdammt seine Identität zu verstellen, da er als Sträfling nicht in der Gesellschaft anerkannt wird. Ebenfalls kann es nicht sein dass jemand aus Not gezwungen ist seine Schneidezähne feil zu bieten (Fantine).

Hugo hat seine Personen so bestimmt, dass sie entweder über eine grosse Güte verfügen (Jean Valjean, Fantine, Cosette, Bischof Myriel) oder schlecht und gierig sind (die Thénardier, Javert). Die ganze Geschichte ist spannend erzählt, verstrickte Zufälle tragen das Ihre dazu bei.

Der Roman ist durch verschiedene Beschreibungen (wie Napoleons Kampf bei Waterloo, Erklärung des Klosterlebens, das Kanalsystem von Paris...) etwas in die Länge gezogen, wodurch man etwas von dem Romangeschehen abgeleitet wird. Dies ist jedoch für verschiedene Autoren aus jener Zeit eher typisch, da jene versuchten durch ihre Romane ihre Einstellung den Lesern mitzuteilen respektiv diese zu beeinflussen. Ähnliches gilt z.B. für Emile Zola oder auch die russischen Autoren Dostojewski oder Tolstoi.

Für Leser mit Ausdauer sowie Klassikerliebhaber ein zu empfehlendes Buch.




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Der beste Roman der französischen Literatur

Zu den Größten der Literatur, wie Shakespeare, Goethe oder auch Hugo ist schon fast alles gesagt worden. Also: Warum soll man sich durch ein 1350 Seiten starkes Buch "arbeiten" (denn damit hat es zu tun)? Die Antwort soll klar und eindeutig ausfallen: Mir ist kein literarisches Werk bekannt, in dem auf so einfühlsame Weise deutlich wird, wie große Vorbilder Menschen inspirieren und verändern können. Für den Ex-Sträfling Jean Valjean wird der Bischof von Digne zu solch einer Inspiration. Die durch diesen alten Mann wirkende Kraft der Menschlichkeit macht aus einem Menschen, der 19 Jahre in Gefangenschaft verbracht hat, nicht nur einen der angesehendsten Geschäftsleute in dem kleinen Städtchen Montreuil. Monsieur Madeleine, wie er nun respektvoll genannt wird, wird selbst zu einem Inbegriff menschlicher und moralischer Integrität, der sich am Ende selbst sein ehemaliger Erzgegner und Polizeiinspektor Javert nicht mehr entziehen kann. Wer die entsprechende Geduld und Muse zum Lesen aufbringt, wird reichlich belohnt. Er (oder sie) taucht ein in eine komplexe Welt zwischenmenschlicher Beziehungen, in der eindringlich deutlich wird, was Menschen einander geben, aber auch sich gegenseitig antun können. Als Kulisse dient die äußerst gegensätzliche französische Gesellschaft des unruhigen 19. Jahrhunderts.


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Dickes Buch mit kleinen Durststrecken

Der wegen einer Bagatelle für 19 Jahre inhaftierte Jean Valjean versucht nach seiner Srafe wieder Boden unter die Füße zu bekommen, doch wie es halt so ist stellt sich dieses Unterfangen alles andere als leicht da. Er trifft auf Vorurteile, Missgunst und Angst. Nur der Bischof Myriel, der in allen Menschen nur das Gute sieht, empfängt ihn respektvoll und schafft es aus Valjean einen guten und aufopferungsvollen Menschen zu machen. So beginnt Valjean sein neues Leben. Er ändert seinen Namen, bekämpft durch den Aufbau einer Firma die Arbeitslosigkeit und die Armut (natürlich auch seine eigene) und rettet sogar einem zu Unrecht beschuldigten Häftling das Leben, obwohl das sein eigenes Dasein gefährdet. Als eine von ihm unterstützte Frau namens Fantine stirbt, kümmert sich Valjean liebevoll um deren kleine Tochter Cosette. Als kleiner Störfaktor tritt der Polizist Javert auch immer mal wieder in den Vordergrund und macht Valjean nur wegen seiner Vergangenheit das Leben schwer. Eine weitere höchst unsympathische Person ist der niederträchtige und habgierige Thenardier, der wirklich alles macht um an Geld zu kommen.
Das war jetzt natürlich nur ein kleiner Abriss des roten Fadens aus "Die Elenden", denn eine genaue Wiedergabe der gut 1600 Seiten würden natürlich den Rahmen sprengen. Nicht nur Jean Valjean wird hier auf's Genauste beschrieben, man müsste eigentlich noch 3 weitere Figuren als Hauptfiguren betiteln: Bischof Myriel, Fantine und Cosette. Auch das Leben dieser Menschen wird (fast) bis ins kleineste Detail beschrieben. Und um diese Figuren herum hat Victor Hugo die Welt der Elenden beschrieben, wobei viele Personen immer wieder vorkommen, so dass man genau erfährt was mit ihnen passiert.
Es geht um Armut, Habgier, Neid, Missgunst, aber auch um Liebe und darum, dass ein starkes Vorbild einen Menschen durchaus verändern kann, in diesem Falle natürlich zum Positiven. Oder, um es vielleicht ein wenig pathetisch zu sagen: Um die große Kraft der Liebe und des Vertrauens.
Ich habe diese Buch über weite Strecken sehr gern gelesen. Die überaus detailtreuen und viele Seiten umschließenden Charakterdarstellungen der einzelne Figuren lassen keine Fragen mehr offen. Hugo hat sein Werk mit politischen, wie auch ethischen Ansichten bespickt, sowie auch, und das dürfte aus dieser Rezension schon heraus zu lesen gewesen sein, einen Liebes- und Abenteuerroman daraus gemacht, der zur Toleranz aufruft.
Kommen wir zum Punktabzug. Nicht nur die Figuren, sondern auch viele Nebenstränge werden oft über hunderte von Seiten analytisch zerlegt. Da geht es dann um die Schlacht Waterloo oder um die Kanalisation von Paris u.a. Es hilft natürlich ein NOCH genaueres Bild von Paris und der Umgebung zur damaligen Zeit zu zeichnen, aber man muss das nicht haben, da es den Verlauf der Geschichte oft nur sreift und nicht wirklich vorantreibt. Desweiteren finde ich, dass vor allem gegen Ende, das Buch ein wenig schnulzig und schwülstig daherkommt. Da ich weiss, dass es eine gekürzte Version dieses Werkes gibt, werde ich mir diese mal genauer anschauen und dann vielleicht auch an Stelle der hier beschriebenen vollständigen Version weiterempfehlen.
Ansonsten ein tolles Buch, leicht zu lesen, an vielen Stellen lehrreich und spannend und größtenteils einfach einladend im Reich der Elenden zu versinken. Denn das muss man schon. 1600 Seiten liest man nicht mal so eben weg. Wer kein Problem mit Proust oder Musil hatte, der wird auch hier nicht scheitern.


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Meinungen: Seite 1, 2, 3, 4, 5



"O Frühling, du bist ein Brief, den ich ihr schreibe... Wie groß ist es, geliebt zu werden! Und um wieviel größer, zu lieben! Das Herz wird heldisch durch seine Liebe. Es ist einzig aus Reinheit zusammengesetzt, nichts ist in ihm als Ewiges und Erhabenes. Ein unwürdiger Gedanke vermag in ihm sowenig zu keimen wie eine Brennessel auf Gletschereis. Die hohe und lautere Seele, unzugänglich den niederen Leidenschaften und Erregungen, wohnt im Himmelsblau. Beherrschend die Wolken und die Schatten dieser Welt, den Wahnsinn, die Lüge, den Haß, die Eitelkeit, die Not, empfindet sie nur noch die tiefen, unterirdischen Erschütterungen des Schicksals, wie die Gipfel der Berge das Beben der Erde empfinden... Wäre niemand mehr, der liebte, die Sonne würde erlöschen."

Wer kann die Liebe ergreifender schildern als Victor Hugo? Wer vermag es, all ihre Erhabenheiten und Abgründe perfekt in Worte zu kleiden? Wenn das überhaupt möglich ist, hat Victor Hugo es vollbracht. Sein Werk wird von den größten Gefühlen, zu denen ein menschliches Wesen fähig ist, getragen, ob sie sich nun in Helligkeit entfalten bis aufs Äußerste oder die weitesten Dimensionen annehmen in ihrer Düsternis. Schonungslos und mit erschreckender Plastizität führt er uns das Dasein der Ärmsten unter den Armen im Frankreich des 19. Jahrhunderts vor Augen. Er beschreibt ihren erbitterten Kampf, den tiefsten Sümpfen des Jammertals zu entrinnen und eine gerechtere Welt zu schaffen. Und doch wird dort nicht nur gekämpft und geweint. Hugo entblättert unsere Existenz in seiner ganzen Bandbreite, ob wir von unserer Bestimmung her begnadigt sind oder nicht. Jedes Leben durchzieht ein kleines Glück, auch wenn es einem erbarmungswürdigen Schicksal folgt und an unwürdigen Klippen zerschellt. Hugo befreit die Erniedrigten von ihrem Schmutz und stellt sie zurück in das Licht ihrer Würde, die jedem Menschen, egal wie sehr er beleidigt wurde, innewohnt.

Ich halte Hugos Werk hoch über meine kleine Bibliothek, weil es lebensspendenden Idealen folgt, weil es sich einer Moral verpflichtet, die mächtiger ist als die gesellschaftliche Moral, weil es den Blick auf die Welt komplett umdreht und die Sicht darauf freimacht, wie schön sie aussehen könnte, und letztlich, weil das Edle über das Gemeine im Menschen siegt. Und ich liebe es wegen seines hohen Gehaltes an Wahrheit, der gelungenen Mischung aus Realismus und Absurdität. Viel Gutes muß der Grausamkeit des Lebens zum Opfer fallen, ehe das wirklich Erhabene seinen glänzenden Sieg davontragen kann. Hugo beschönigt nichts. Trotzdem ist sein Weltbild nicht pessimistisch. Er beschreibt die Kluft zwischen Arm und Reich. Er zeigt, daß Armut böse machen kann und Reichtum blind. Dennoch siegt am Ende die Weisheit über die Dummheit und die Liebe über den Haß.

Abgestumpft von vielen Jahren auf der Galeere und als gefährlicher Mensch von der Gesellschaft geächtet, nimmt der Bischof von Digne Jean Valjean, den ehemaligen Galeerensträfling, auf und bewirkt bei ihm durch einen peinlichen Vorfall und durch seine beispiellose Güte, eine wundersame Verwandlung. Jean Valjean, durch 19 Jahre Gefangenschaft vom Bösen zersetzt und verdorben, erkennt sein ganzes Elend in einem Schlüsselerlebnis und entwickelt sich daraus zu einem Beschützer der Schwachen und Bedürftigen. Doch unerbittlich bleibt ihm seine Vergangenheit auf den Fersen. Sie verfolgt ihn in der Gestalt des Polizeiinspektors Javert, der als Reinkarnation von seelenloser Spießbürgerlichkeit und menschenverachtender Gesetzestreue bis an sein Lebensende versucht, ihn wieder hinter Schloß und Riegel zu bringen.

Rein stilistisch ist Victor Hugos dreibändiger Roman eine Schöpfung erster Güte. Wie eine Pyramide baut sich die Geschichte um Jean Valjean auf. Scheinbar völlig unabhängig voneinander beginnen hier und dort Steinwälle aus dem Boden zu wachsen, um sich irgendwann ganz unerwartet aneinanderzufügen und in einer einzigen Spitze zusammenzulaufen. Genauso entspinnt sich in Hugos Roman hier und da eine von der bisherigen Handlung unabhängige Geschichte, die sich irgendwann ganz plötzlich und zur Überraschung des Lesers nahtlos in das Gesamtbild einfügt. Am Anfang finden wir lauter einzelne geheimnisvolle Fragmente, am Ende ein klares, in sich perfekt geschlossenes Kunstwerk.

Keinem Film wird es jemals gelingen, die tausend Ebenen und haarfeinen Verästelungen dieses Romans darzustellen, ohne Wesentliches auszulassen. Keinem Theater. Und keiner Oper. Zu viele Geschichten in einer Geschichte. Zu viele wichtige Botschaften. Zu viele große Gedanken. Zu viele Feinsinnigkeiten. Zu viele grandiose Beschreibungen. Zu viele komplizierte Zusammenhänge. Sicher, man kann sich auf die leidenschaftliche Liebe zwischen Mario und Cosette konzentrieren oder auf die Geschehnisse während der Julirevolution oder auf das haarsträubende Katz- und Mausspiel zwischen Valjean und Javert. Doch man wird immer nur einen Ausschnitt erfahren, der die wahre Größe des Gesamtwerkes nicht zu erfassen weiß.

Der stürmische Kampf zwischen Gut und Böse, in dem das Gute trotz aller Tragik triumphiert, die unvergleichliche Komplexität des Werkes und die Art, wie es geschrieben ist, nämlich nicht nur mit der Vernunft des Kopfes und der Allwissenheit des Geistes, sondern auch mit inniger Anteilnahme der Seele und dem Blut des Herzens, machen dieses Werk zu meinem Lieblingsbuch seit ich sechzehn bin, und und kein anderes Buch konnte ihm in den folgenden zwölf Jahren den Rang ablaufen, obwohl ich in der Zwischenzeit bestimmt tausend andere Bücher gelesen habe. --Daphne Großmann


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