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Heeresbericht
Edlef Köppen

List Tb., 2005 - 401 Seiten

durchschnittliche Kundenbewertung:basierend auf 13 Bewertungen
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Nur zu empfehlen!

Ich lese eigentlich nicht so gerne, aber dieses Buch geht runter wie Öl!
Alle die am 1.WK interessiert sind werden ihren Gefallen an diesem Buch finden. Ich kann nicht verstehen warum Edlef Köppen so in Vergessenheit geraten konnte, großartiger Autor.


Krieg zum Greifen nahe ...

Viel kennt und hört man über "Im Westen nichts Neues" und anderer Anti-Kriegsliteratur, nichts jedoch über Edlef Köppens "Heeresbericht". So bin auch ich rein zufällig drüber gestoßen und hab mir das Buch aufgrund der sehr positiven Rezensionen zugelegt - und ich muss sagen, ich hab es kein bisschen bereut.
Es geht um den Studenten Adolf Reisiger, der sich 1914 bei Ausbruch des Krieges als Freiwilliger meldet, um die Kameradschaft an der Front kennenzulernen, aber auch das Soldatentum, das für ihn stets von einem Schleier des Heroischen umgeben ist. Schnell merkt er, das Soldat sein ein "Knochenjob" ist und nach und nach wandelt sich seine Einstellung zum Krieg, zum Soldatsein, zum Töten. Während ein kriegsbegeisterter Reisiger am Amfang noch detailliert schildert, wie man sich fühlt, wenn seine Batterie durch ein unter Artilleriefeuer stehendes Dorf marschieren muss, Einschläge links und rechts, fast nur dem Glück überlassen, so heißt es später nur noch lapidar: "Da muss man durch". Während die Zeit vergeht und an ein schnelles Kriegsende nicht mehr zu denken ist, erfährt Resiger, was die Schrecken des Krieges sind. Aber trotz all der Toten, trotz der Kameraden, die kommen und fallen, trotz aller Entbehrungen und allen Blutvergießens bleibt doch nur die Erkenntnis: "Befehl ist Befehl" - aushalten, durchhalten, weitermachen...
Köppens Buch lässt sich in sehr kurzer Zeit durchlesen, was daran liegt, dass es ungemein fesselt. Wenn Reisiger anfängt, zu erzählen, zu beschreiben, was in den Gefechten passiert, fliegen die Seiten nur dahin, denn durch die einfache klare Sprache schafft er es, dass man sich selbst als Teil dieses Krieges begreift - mittendrin, statt nur dabei. So gewinnt der Leser nach und nach ein Bild, wie der Krieg gewesen ist - es macht sprachlos, lässt einen den Kopfschütteln und manchmal läuft es einem kalt den Rücken runter. Und immer wenn man glaubt, "jetzt hab ich alles gesehen, mich kann nichts mehr überraschen", so beweist Köppen: Irgendwas ist immer.
Ob nun "Heeresbericht" besser oder schlechter als "Im Westen nichts Neues" ist, kann und mag ich nicht beurteilen. Am besten liest man wohl beide Bücher. Wirklich schade ist nur, dass "Heeresbericht" bei weitem nicht so bekannt ist. Empfehlenswert ist es allemal!


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Der wichtigste Roman zum Weltkrieg

Edlef Köppen gelingt es sehr leicht, den Leser in eine Zeit zu ziehen, die ohne Anleitung nicht mehr oder nur sehr schwer vorstellbar ist. Dies ist in erster Linie ein Erfolg der meisterlichen Sprachbeherrschung des Autors.

Sehr genau zeichnet er die Bilder und Metaphern, er nimmt sich Zeit für seine Charaktere, die mit der nötigen Distanz aber trotzdem mit großem Detailreichtum entworfen sind, seine Orts- und Zeitbeschreibungen sind an die Umstände des Geschehens angepasst aber immer treffend.

Er spielt mit der Sprache und ihren Zeiten, lässt sie aus ihrer Sachlichkeit allerdings nie ausbrechen, immer gelingt es ihm durch die Verwendung des typischen Beamten- und Kommissdeutsch eine klaustrophobische Nähe und kalte Natürlichkeit der Schützengräben zu malen und erschafft so, eine - seine - Biographie des Krieges.

Aber Sprache braucht Inhalt: Edlef Köppens Alter Ego ist Kriegsfreiwilliger, der bis zum Ende des Krieges zwar überleben, aber eine enorme und abnorme Entwicklung durchlaufen wird. Viel genauer als der Roman von Remarque und in höchstem Maße authentisch, viel authentischer als "Im Westen nichts Neues", ist "Heeresbericht" eine Studie über den Verfall des Menschen und seiner Moral vor dem Hintergrund und im Laufe eines Krieges, der nicht enden mochte.

Es ist leider so, dass "Heeresbericht" nie der Stellenwert zukam, der ihm seit der Entstehung eigentlich gebührte, selbst wenn er von Literaten, Kriegsteilnehmern und Kritikern wie Renn oder Toller immer auf das Stärkste empfohlen und subventioniert wurde.

Die aktuelle Renaissance des Buches ist daher ursächlich logisch aber trotzdem umso wichtiger, schöner, da es sich um eines der wichtigsten deutschen Bücher zum Ersten Weltkrieg handelt.



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Schrecklich.

Nüchterner, trockener und distanzierter als "Im Westen nichts Neues", mitreißender und unpatriotischer als "Einen bessern findst du nicht", und noch zerwühlender und erschreckender als "Stahlbad Anno 17". Wer etwas über die "Große Zeit" wissen möchte, darf an diesem Buch nicht vorbeigehen. Kein Wunder, daß die Nazis es verboten hatten - und umso unverständlicher, daß es Remarques Klassiker in den Schulen noch nicht abgelöst hat. Lesen, sacken lassen, ...und dann nochmal lesen.


Beklemmente Nüchternheit

Edlef Koeppen nennt sein Buch explizit "Bericht". Wäre dem nicht so, gäbe es von mir Abzüge, da er weitgehend die persönliche Profilierung und so die emotionale Ausgestaltung seiner "Helden" vermissen lässt. Solche Erwartungen eines Romanlesers wie mir werden drastisch enttäuscht und gerade dadurch, mit Hilfe von Montagen der Medienberichte aus damaliger Zeit, entspinnt Koeppen die unheimliche Realität, dass der Wahnsinn, den er schildert Tatsache ist. Nackter geht nicht. Bei ihm gibt es eben keine Helden. Persönlichkeiten sind nicht gefragt im wilhelminischen Massenaufmarsch und so fallen die Protagonisten, werden im Geschoßhagel pulverisiert, als Anonyme. Sie haben keine Zeit aus ihrem Schatten als Nummern hervorzutreten. Atemlos stürzen sie gesichtslos am Leser vorbei in die Stacheldrahverhaue. Somit gelingt Koeppen der Gegenentwurf zu Remarque, der im dicksten "Frontschlammassel" doch auch Sprachästhet bleibt - dem man einfach anmerkt, wie gründlich er an jedem Dialog gefeilt hat. Die Soldaten in Koeppens Regiment sind keine verkannten Philosophen und keine verpflanzten Lyriker - es sind Opfer jener Zeit, denen für das unaussprechliche eben auch die Worte fehlen. Ein Gegenentwurf zu Remarque, nicht im entweder-oder, sondern in der Ergänzung.


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Meinungen: Seite 1, 2, 3



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