Lushin ist ein lustloser, unleidlicher und zutiefst phlegmatischer Junge, der an nichts im Leben Freude findet als an vertrackten Puzzlespielen und Zaubertricks, als er zufällig ein Schachspiel entdeckt. Dieses für ihn mit einer mystischen Aura umgebene Spiel läßt eine ungeahnte und in seinem Leben einzig bleibende Leidenschaft auflodern. Bald erweist sich seine große Begabung, und getrieben vom eigenen Fanatismus und seinem skrupellosen Impressario Valentino mißt er seine Kräfte mit den größten Schachmeistern der Zeit, hetzt von Turnier zu Turnier, verschleißt sich in Simultan- und Blindschaukämpfen gegen Amateure. Lushin zählt zu der Handvoll Anwärter auf den Weltmeisterthron, doch seine schachliche Entwicklung stagniert. Mehr und mehr klafft über die Jahre die kreative Phantasie seiner häuslichen Vorbereitung und sein zaghaftes, ja ängstliches Spiel auf Turnieren auseinander. In einem letzten großen Turnier will er noch einmal an seine zurückliegenden Erfolge anknüpfen. Er muß all seine Kräfte aufbieten, dem Favoriten Turatti Paroli zu bieten. Das Turnier kumuliert in der mit Spannung erwarteten aufreibenden Partie der zwei Widersacher...
Nabokovs Roman ist das Porträt eines Genies in einem ganz beschränkten Gebiet, der doch gleichzeitig unfähig ist zu leben. Alles, wonach er strebt ist "Einfachheit, harmonische Einfachheit, die mehr als die komplizierteste Magie in Erstaunen setzt". Doch das reale Leben ist nicht einfach. Und unter Menschen bleibt er, dessen Welt nicht mehr als 64 Felder braucht, unendlich einsam.
Inhaltlich ist dieses Buch ein echter Hammer. Oberflächlich betrachtet schildert Nabokov einen Knaben - einen Außenseiter, der sich zu einem der weltbesten Schachspieler entwickelt und daran zugrunde geht. Nabokov schildert aber viel mehr. Er schildert ein krankes Kind, aus dem ein psychisch schwer kranker Mensch wird. Bereits als Junge hat Lushin erste Züge dieser Krankheit - und in den Kapiteln über den erwachsenen Lushin hat sich diese Krankheit zu einer Psychose ausgeweitet. Bereits mit 30 hat Lushin fast greisenhafte Züge, seine Wahrnehmung der Realität ist schwer gestört - beinahe autistisch. Lushin ist an hebephrener Schizophrenie erkrankt, würde man heute diagnostizieren. Direkt vom Turnierbrett weg wird er in die Psychiatrie eingeliefert und gesund gepflegt, aber wirklich geheilt wird er nicht. Der Leser nimmt an der Gefühlswelt und dem gestörten Realitätsempfinden des Kranken teil. Eine Erfahrung die man manchmal richtiggehend schmerzhaft empfindet.
Fazit: Wenn Sie schöne Sprache mögen und nicht gerade eine depressive Phase Ihres Lebens durchmachen, sollten Sie dieses Werk jedenfalls lesen.
Lushins Verteidigung ist ein Frühwerk von Nabokov. Es erzählt von dem Schachspieler Lushin, für den die 64 Felder des Schachspiels die Welt bedeuten. Ausserhalb des Schachspiels ist er kaum lebensfähig, er zeigt wenig Interesse an Konversation und realer Welt. Vielmehr erscheint ihm die reale Welt mit zunehmender Seitenzahl immer bedrohlicher und er versucht immer mehr, "seine" Schachregeln in dieser Welt abzubilden und sie für sich dadurch begreifbarer zu machen. Doch wohin wird in dies führen?
Das Buch ist in sehr schöner Sprache geschrieben, geeignet ist es für jeden, welcher sich ein bisschen für russische Literatur (Pflichtlektüre) oder für das Schachspiel an sich interessiert. Jedoch sollte man betonen, das es bei weitem kein reines Schachbuch ist, es ist vielmehr eine komplexe Studie des Innenlebens von Lushin, der immer mehr aus der realen Welt abzugleiten zu scheint. Macht sehr neugierig auf den Film...
Immer wieder scheint Erlösung zu nahen: Wenn der junge Lushin das Schachspiel als erste Leidenschaft entdeckt; wenn der erwachsene Lushin von seiner Verlobten zu einem Neuanfang gedrängt wird.
Doch hinter jedem Neuanfang, hinter jeder Erlösung steckt eine Wiederholung der Isolierung als unumgehbaren Kreislauf. Die Folge: Der erwachsene Lushin, dem Schachspiel entrissen, ist nicht in der Lage, sein Leben ausserhalb der Logik des Spiels zu führen. Er wähnt sich als bedrohte Figur im Lebens-Schach-Spiel.