Die Zeichen seiner Bestimmung sind beneidenswert klar. Er folgt schon immer einem exakten Tagesplan. Das Leben im Elternhaus ist bescheiden und religiös. Er sucht sich den Verpflichtungen der Hitlerjugend weitmöglichst zu entziehen. Als Student läßt er abschreiben. Später fragt er seine Prüflinge nur das, was sie können. Er wettert gegen Profitgier und Genußsucht. Auch gegen Verkrustungen der Kirche. Zum Vorsitz der Glaubenskongretation muß er sich überreden lassen von Johannes Paul. Und auch, dass er bleibt. Nicht ahnend, dass der alte Papst seine Aufgaben einmal in seine Hände legen wird. Seinem bewährten Freund, dem keine Macht interessiert und der einfach nur Mensch, nur sich selbst sein wollte, ungeduldig darauf wartend, seine Zeit mehr dem Schreiben widmen zu können, seinem Bruder und der Musik. Nun fügt er sich gehorsam dem Willen Gottes. Denn er spürte damals schon, dass ER etwas Besonderes mit ihm vorhatte.
Vom Vater hat er die geistige Souveränität, von der Mutter das Gespür und die Herzlichkeit. Ratzinger beeindruckt mit emotionaler Intelligenz und innerer Weite. Ihn faszinieren die Urfragen des Menschseins, die Figuren der Kirchengeschichte wie den leidenschaftlich fragenden Augustinus. Er will den Glauben begreifen. Sich ausschöpfen. Er ist konzentriert, begabt, treffsicher. Liebt Mozart, Hesse und die bayrische Küche. Spricht mit Obstverkäufern und Katzen.
Benedikt XVI. meint: Wir treiben im Relativismus, der nichts Absolutes anerkennt. Wir frönen der Beliebigkeit und lassen uns von verschlagenen Denkmoden täuschen. Wir sind das verirrte Lamm in der Wüste, das zur Quelle des Lebens, zu Christus geführt werden muss.
Der Glaube ist stark, wahr, schön und konstruktiv. Er ist persönlich, aber er hat Form und Gestalt. Und reift an der Freundschaft zu Christus, der uns öffnet für das Gute. Gebt Glauben weiter. Die Seele ist die Frucht, die bleibt, die Erkenntnis, die Geste, die das Herz berührt.
Die Kirche ist Christus. Man kann sie nicht machen. Sie ist ein Geschenk, das Pflege braucht. Dieses Geschenk gilt es immer wieder neu zu entdecken. Die Kirche lebt. Lauschen wir dem Herrn. Geben wir uns Christus. Er gibt uns alles.
Man fragt sich, was Benedikt XVI. bewirken wird. Wird Köln ein Leuchtfeuer, wird eine neue Glaubensfreude aufblühen? Eine neue Sinnstiftung für die Jugend? Werden wir Christus wieder finden?Peter Seewald, Ex-Atheist, Journalist und Herausgeber dieses Buches, sagt über die Zusammenarbeit mit Ratzinger: "Er hat mein Leben verändert".