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Gletscher im Treibhaus: Eine fotografische Zeitreise in die alpine Eiszeit
Wolfgang Zängl, Sylvia Hamberger

Tecklenborg, 2004 - 271 Seiten

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Das Buch des Jahres

"Gletscher im Treibhaus" ist nicht nur für mich eindeutig das Buch des Jahres, wurde es doch mit großem Aufwand, Engagement, aber auch Mut und Geduld hergestellt. Zudem haben es Wolfgang Zängl und Sylvia Hamberger geschafft, ihre Botschaft glasklar in Bild zu setzen: Gletscher sind die "Fieberthermometer der globalen Klimaerwärmung", als Indikatoren sind sie gleichsam natürlich prädestiniert" (siehe Einleitung S.8).
Wolfgang Zängl und Sylvia Hamberger haben 5000 alte Abbildungen (Postkarten, Zeichnungen, Drucke) zusammengetragen und sich jahrelang auf die Suche nach den Standorten jener Fotografen und Maler gemacht, die von der Jahrhundertwende bis zur Nachkriegszeit staunend die prächtigen Gletscher der Alpen auf Zelluloid bzw. Leinwand bannten. Von diesen Standorten wurden nun aus derselben Perspektive aktuelle Fotos aufgenommen. Probleme, Strapazen und Wagnisse waren dabei quasi vorprogrammiert - Wetterbedingungen, schwere Zugänglichkeit der Standorte, Detektivarbeit bei der Auffindung der Standorte gehörten zum Alltag der Foto-Teams.
Das Ergebnis ist eine beeindruckende Zeitreise, die nicht nur den Wandel der Eiswelt zeigt, sondern auch die Entwicklung des Menschen, der Technik, des Umgangs mit der Natur usw.
Beispiel Gletscher: Von der Imposanz einer Pasterze oder eines Aletschgletschers z.B. ist wenig geblieben, von vielen mächtigen und überquellenden Eisflüssen blieben harmlose Bäche oder glatt geschliffene Felsen, die auf den Bildern wie Stein gewordene Eisfossile aussehen.
Beispiel Berghütten: Manche zeigen sich heute unverändert als jene urige Almhütten, die man auf den alten Bildern sieht, manche erlebten Zu- und Ausbauten, manche verschwanden oder wurden durch neue ersetzt. Alle aber sind ein großes Stück von den Gletschern abgerückt, oder besser: die Gletscher von den Hütten.
Zum Umgang mit der Natur: Wo auf den alten Bildern noch Idylle pur zu sehen ist, durchziehen nun Straßen, Lifte und Pisten die Landschaft. Aus Wegen sind Hochstraßen, aus Dörfern Ansammlungen von Hotels, aus Labestationen Parkhäuser mit Kiosken und Restaurants (siehe Stilfser Joch) geworden. Zeugnisse der Leichtfertigkeit, mit der der Mensch seit jeher mit der Natur umgeht.
Den dicken Bildband wird man nicht bloß durchblättern, man wird Aufnahme für Aufnahme vergleichen, wird manchen Gletscher, manchen Weg, manche Hütte wieder erkennen und Erinnerungen an sie knüpfen. Der junge Betrachter wird staunen, der ältere wird wehmütig in Zeiten zurückversetzt, als man von der Hüttentür noch direkt auf den Gletscher steigen konnte, die Hütten noch Hütten waren und keine Berghotels und als die Berge noch Rückzugsgebiet und kein Disneyland waren.

So gesehen ist "Gletscher im Treibhaus" ein zu bewahrender Schatz, denn auch die Bilder von 2000 werden bald Geschichte sein. Dieser herrliche Bildband ist ein Zeitzeugnis mit Ewigkeitswert, denn sterben die Gletscher weiter so rasant, wird nichts anderes von ihnen bleiben - als Bilder.


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