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Streichquintett d 956
Franz Schubert

Deutsche G (Universal), 1992

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Charta der Romantik

Kein Werk der gesamten abendländischen Musikliteratur rührt den Hörer wohl mehr an als Schuberts Streichquintett D. 956 aus seinem Todesjahr 1828. Es ist ein unbeschreiblich herrliches Werk, eines der ergreifendsten, die je ein Musiker hervorgebracht hat, ein visionärer Ausblick in das Drüben, in die andere Welt. Wenn es heißt, Schuberts Musik beschwöre den Himmel, so ist das nirgends anders so spürbar wie seinem singulären Streichquintett, das kein fühlender Mensch, der es einmal gehört hat, jemals wieder vergessen wird.
Natürlich gibt es auch von diesem Streichquintett unzählige Aufnahmen, aber es sind nur ganz wenige, die Schuberts unverwechselbare Sprache angemessen wiederzugeben in der Lage sind. Ich nenne vor allen Dingen die legendäre Aufnahme von 1952 aus Prades mit Pablo Casals, Isaac Stern und anderen Künstlern (CBS/Sony) und außerdem das Alban-Berg-Quartett mit dem Cellisten Heinrich Schiff (EMI, 1982). Leider fehlt in beiden großartigen Produktionen die vom Komponisten vorgeschriebene Wiederholung der Exposition des Kopfsatzes, wodurch das Werk in seinen Proportionen empfindlich beeinträchtigt wird.
Diesen unverzeihlichen Fehler beging das Emerson Quartet nicht, als es mit dem berühmten Cellisten Mstislav Rostropovitch im Dezember 1990 die vorliegende Aufnahme machte. Der erste Satz wird dadurch auf fast zwanzig Minuten Dauer ausgedehnt, die dem Hörer angesichts des herrlichen Spiels und der noch herrlicheren Musik wie im Flug vergehen. Als Strawinsky übrigens einmal gefragt wurde, ob ihn die Längen in Schuberts Musik nicht einschläferten, soll er geantwortet haben: "Was tut's, da ich mich beim Erwachen im Paradies wähne?"
Das ist es: Diese Musik ist ein einziges Sehnen nach dem verlorenen Paradies. Damit rührt sie uns an, bannt uns in ihren Zauber und rührt uns zu Tränen.
Der zweite Satz ist so unbeschreiblich schön und tief, daß man hofft, Schubert würde den Hörer mit dem folgenden Scherzo wieder auf die Erde zurückholen. Und doch ist es unter allen seinen Scherzi das erfüllteste. Mit dem herrlichen, tänzelnden und von lyrischen Zwischenspielen durchzogenen Finale krönt Schubert sein unsterbliches Werk, mit dem es ihm gelang, die Lyrik in vollkommener Weise in der Kammermusik zu verankern. Es ist das Persönlichste und Tiefste, was er uns hinterlassen hat: eine Charta der romantischen Musik, die uns zu den Sternen schickt.
Die Klangwirkung der Aufnahme ist von höchster Qualität und entspricht damit der künstlerischen Leistung. Ein wertvolles Textheft liegt auch bei.


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Wenn er keine Lieder komponierte, fühlte sich Franz Schubert im Bereich der Kammermusik am wohlsten, nicht weil er ein Miniaturist war, sondern weil seine tiefgreifenden Gedanken bei kleineren, konzentrierteren Arrangements am besten aufgehoben waren.

Sein "Quintett für Streicher in C-Dur", das bei weitem das großartigste Werk für Streichquartett plus zusätzliches Cello darstellt, zeigt ihn auf seinem Höhepunkt. Unter Beweis gestellt wird dies insbesondere von dem ätherischen zweiten Satz, der an einigen Stellen jenes Gefühl von vorübergehender, spiritueller Lethargie vermittelt, das von vielen Minimalisten angestrebt, häufig aber nicht erreicht wird. Das Emerson Quartet mag einem im Vorfeld ein wenig zu nervös für diesen Auftrag erscheinen, statt dessen gibt es jedoch eine der besten Leistungen seiner Karriere ab. Anstatt von der lyrischen Verzückung der Musik einfach hinweggefegt zu werden, ergründet das Quartett ihre emotionale Tiefe und Bedeutung in konzentrierten, von Herzen kommenden Darbietungen. Das Werk ist offenkundig ein besonderes Lieblingsstück des Gastcellisten Mstislav Rostropovich (er hat es zuvor bereits mehrere Male aufgenommen), aber wie bei den meisten Kammermusikern ist seine Anwesenheit weniger hörbar als vielmehr spürbar. Vielleicht ist gerade er derjenige, der für die besondere Wärme dieser Darbietung verantwortlich ist. --David Patrick Stearns


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Tracks
1. Allegro ma non troppo | 2. Adagio | 3. Scherzo. Presto - Trio. Andante sostenuto | 4. Allegretto





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956, streichquintett


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