Das gelingt auch vortrefflich. Chopin ist für Martha Argerich ohnehin - neben Schumann - der Komponist, der ihr am nächsten steht. Und für Liszt bringt sie neben ihrer fantastischen Technik auch die explosive Attitüde mit, die man für diesen Komponisten braucht. Das Klavierkonzert von Chopin wird hier mit forschem Elan gespielt, schneller als man es von anderen Pianisten kennt, aber dabei immer sehr elegant, flüssig und mit einer Anmutung von Improvisation, von aus-dem-Stehgreif-spielen, die diese Ausnahmekünstlerin so auszeichnet und jedes Konzert zu einem Erlebnis werden läßt. Verträumt der zweite Satz, tänzelnd der dritte, aber immer feurig und mit einer von todsicheren musikalischen Instinkten geprägten Brillianz, die man zur Zeit der Aufnahme so noch nicht kannte. Der Liszt steht dahinter nicht zurück - schon die furchterregenden Eingangsoktaven zeigen die fast unmenschlichen technischen Reserven der Argentinierin. Auch in der Folgezeit kann man den Aplomb, die hervorragende Kombination aus einer nie um ihrer selbst willen zur Schau gestellten Virtuosität und immer wieder mit subtilen Details überraschenden Spontaneität bewundern. Abbado begleitet die Pianistin mit dem hervorragend aufgelegten Londoner Sinfonikern reaktionsschnell, präzise und insbesondere beim Chopin wohltuend-entschlackt. Man vergleiche dies etwa mit der - zwar pianistisch womöglich farbenreicheren, orchestral aber viel schwerfälligeren - neueren Aufnahme unter Dutoit.
Diese CD kann man nur jedem, der romantische Klavierkonzerte in hervorragenden Interpretationen - und noch dazu zu einem günstigen Preis - hören möchte, nicht warm genug empfehlen.