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The Glenn Gould Edition: Bach (WTK 1)
Glenn Gould, Johann Sebastian Bach

Scl (Sony BMG), 1993

durchschnittliche Kundenbewertung:basierend auf 4 Bewertungen
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"Mein Klassiker"

Zwischen Spleen und Genialität - Glenn Goulds Wohltemperiertes Klavier Teil I von J.S.Bach

Von den einen hochgelobt, von anderen verschmäht - an kanadischen Klaviervirtuosen Glenn Gould scheiden sich die Geister. Unabhängig von dieser ewigen Kontroverse ist seine als „romantisch" verunglimpfte Einspielung des Wohltemperierten Klaviers Teil I von Johann Sebastian Bach meiner Ansicht nach ein wirklicher Gewinn gegenüber den unzähligen historisch-trocken Aufnahmen.
Dem oft geäußerten Vorwurf, Gould hätte wichtige Phrasen einfach "weggespielt", kann ich nicht zustimmen. Die Genauigkeit mit der er die Fugenthemen herausarbeitet, seine Bravour im raschen Spiel der rasanten Passagen und die verharrende Innigkeit, die er den ruhigen Stücken zukommen lässt, all dies komprimiert sich zu einem wahrhaft runden Hörerlebnis. Diesem Eindruck konnte ich mich auch nach vielfachem Hören nicht entziehen.
Die rücksichtslose und heutzutage immer noch ungewöhnliche Phrasierung, z.B. im ersten Präludium, lässt aufhorchen. Die anfängliche Irritation weicht kurze Zeit später gespannter Aufmerksamkeit und die spleenige Genialität, die Leichtigkeit, mit der Gould den Zuhörer fast motiviert, einfach durchs Zimmer zu tanzen. Entfernte Ähnlichkeiten gibt es mit der legendären Gulda-Aufnahme, die jedoch, wie ich finde, an Goulds nicht heranreicht. Während Guldas Grundstimmung mir arg gedrückt ist, sich meiner Ansicht nach noch zu ängstlich an heutige Erwartungshaltungen anpasst, ist Goulds Ansatz nicht die Begeisterung der Masse. Er sieht sich vielmehr als experimentierfreudiger Interpretationsjongleur, der über mehrere Jahre (1962, 1963 und 1965) in mehreren Takes, das gesamte Werk Stück für Stück vollständig einspielte und sich dabei nicht scheute, alte Interpretationen gegen neue auszutauschen.
Komisch mutet es bisweilen an, wenn man - vor allem bei leiseren Stücken - im Hintergrund Gould die Melodie mitsummen hört. Da ist man im Nachhinein erleichtert, das er sich dem Flügel und nicht der Oper verschrieben hat. Den Hörgenuss verleidet diese Ausgelassenheit keineswegs, macht dagegen deutlich, wie sehr man an die moderne Digitaltechnik gewöhnt ist, die jegliche Nebengeräusche rücksichtslos aus dem Klangteppich tilgt. Gehören diese unerwünschten Laute in gewissen Grenzen nicht ebenso zur Musik?
Zur eigenen Horizonterweiterung sollte Goulds Version des WTK, trotz aller berechtigter Bewunderung, nicht die einzige Aufnahme dieses Bach-Werks im heimischen CD-Schrank bleiben. Um die Höhe dieses „Olymps" schätzen zu lernen, sollte man gelegentlich manchmal ins „Tal" hinabsteigen und anderen Aufnahmen dieses "opus summum" lauschen, die den traditionellen Hörgewohnheiten eher entsprechen. Als Empfehlung sei hier die Aufnahme mit Angela Hewitt genannt.
In seiner üppigen 2-CD-Box nimmt Goulds WTK I im Regal zudem den ihm gebührenden Platz ein. Dank Sony Classical" ist Gould in voller Bandbreite inklusive noch niemals veröffentlichter Aufnahmen wieder im Handel erhältlich. Für die Qualität der Aufnahmen sorgte das Super Bit Mapping Verfahren", wodurch die angestaubten Klänge im neuen Glanz erklingen können. Wer im Besitz mehrerer CDs dieser Gould-Komplett-Edition ist, darf sich über eine hübsche Sammlung kleiner Porträts des Pianisten freuen, die den Tastenkönig „at work" zeigen. Für mich immer ein Gewinn, denn wenn Künstler ein Gesicht bekommen, fällt es leichter, sich mit der Musik zu identifizieren - ein wichtiges Ziel einer Aufnahme. Als zusätzliches Plus bietet die Ausstattung ein informatives Beiheft, das interessante Hintergründe liefert, beim vollständigen „Eintauchen" hilft. Fazit: Absolut empfehlenswert!


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Mein Klassiker

Man kann mit Fug sagen, dass es sich bei dieser Aufnahme - neben Goulds Goldberg-Variationen - um eine eigentliche Jahrhundertaufnahme handelt. Gould hat den Kosmos dieses bahnbrechenden Klassikers der Klavierliteratur gleichsam neu erfunden. Seiner analytischen Spielweise gelingt es, die Struktur der zeitlosen Musik Bachs klar und ohne Schnörkel herauszustellen. Der Zauber dieser Aufnahme liegt gerade darin, dass die reduktionistische Spielweise des Interpreten die hohe Emotionalität der Musik betont; eine Einsicht die nach mehrmaligem Hörgenuss offensichtlich wird. Die Tonqualität gibt wie der stellenweise hörbare Mitgesang Goulds ein lebendiges Zeitzeugnis wieder. Spätere Aufnahmen des WTK Bachs müssen sich an diesem Meilenstein messen lassen.


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gewöhnungsbedürftig

Nach den Goldbergvariationen habe ich mit hohen Erwartungen das WTK 1 gekauft: Leider klingt das Klavier hier sehr eigentümlich und ist mit einem modernen Konzertflügel nicht zu vergleichen (leichte Verzerrungen und leichtes Rauschen der Analogaufnahme).
Gould spielt absolut souverän. Mir scheint, die Sorgfalt und der Tiefgang mit denen Gould die Stücke interpretiert, ist umso größer, je langsamer er seine Tempi wählte. Gould konzentriert sich für meine Begriffe zu sehr auf den einzelnen Ton, was absolute Klarheit im Kontrapunkt bringt, aber große Linien eher in den Hintergrund rückt. Fazit: empfehlenswerte Aufnahme für Gould-Fans


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Ein Weltwunder

Sprachlos steht man vor Goulds polyphoner Begabung. Er ist ganz sicher nicht der einzige Pianist, der über die wunderbare und ganz und gar nicht selbstverständliche Gabe verfügt, mehrere Stimmen gleichzeitig autonom zu hören bzw. innerlich nachzusingen. Aber Gould erscheint mir als der König der Polyphonie.
Gleichzeitig spürt man, wie er jedes Stück als organisches Ganzes von Anfang bis Ende durchkonzipiert.
Die Transparenz, mit der er die einzelnen Stimmen herausarbeitet, ermöglicht auch gewöhnlichen Sterblichen, in den Kosmos der bachschen Polyphonie einzutreten. Seine Weise, sie gegenseitig herauszuarbeiten und miteinander interagieren zu lassen, ist stets faszinierend. Bei vielen Stücken hat man den Eindruck, man hört sie ganz neu. Seine Einspielung differenziert sehr wohl die eigene Wesensart der einzelnen Stücke. Seine Virtuosität bewerkstelligt ein Feuerwerk sublimster Effekte und Wendungen, eine phänomenale Interpretation, an der meines Erachtens für jeden Liebhaber des bachschen Kontrapunkts kein Weg vorbeiführt. Sein feuriges und pointiertes Spiel und seine wunderbar rhythmische Phrasierung sind einzigartig. Es erfüllt einen immer wieder mit Bedauern, dass dieser einzigartige Pianist schon so zu früh aus dem Leben gerissen wurde.


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BACH THE WELL-TEMPERED CLAVI



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Tracks
Präludium Nr. 1 C-Dur BWV 846 | Fuge Nr. 1 C-Dur BWV 846 | Präludium Nr. 2 c-moll BWV 847 | Fuge Nr. 2 c-moll BWV 847 | Präludium Nr. 3 Cis-Dur BWV 848 | Fuge Nr. 3 Cis-Dur BWV 848 | Präludium Nr. 4 cis-moll BWV 849 | Fuge Nr. 4 cis-moll BWV 849 | Präludium Nr. 5 D-Dur BWV 850 | Fuge Nr. 5 D-Dur BWV 850 | Präludium Nr. 6 d-moll BWV 851 | Fuge Nr. 6 d-moll BWV 851 | Präludium Nr. 7 Es-Dur BWV 852 | Fuge Nr. 7 Es-Dur BWV 852 | Präludium Nr. 8 es-moll BWV 853 | Fuge Nr. 8 es-moll BWV 853 | Präludium Nr. 9 E-Dur BWV 854 | Fuge Nr. 9 E-Dur BWV 854 | Präludium Nr. 10 e-moll BWV 855 | Fuge Nr. 10 e-moll BWV 855 | Präludium Nr. 11 F-Dur BWV 856 | Fuge Nr. 11 F-Dur BWV 856 | Präludium Nr. 12 f-moll BWV 857 | Fuge Nr. 12 f-moll BWV 857 | Präludium Nr. 13 Fis-Dur BWV 858 | Fuge Nr. 13 Fis-Dur BWV 858 | Präludium Nr. 14 fis-moll BWV 859 | Fuge Nr. 14 fis-moll BWV 859 | Präludium Nr. 15 G-Dur BWV 860 | Fuge Nr. 15 G-Dur BWV 860 | Präludium Nr. 16 g-moll BWV 861 | Fuge Nr. 16 g-moll BWV 861 | Präludium Nr. 17 As-Dur BWV 862 | Fuge Nr. 17 As-Dur BWV 862 | Präludium Nr. 18 gis-moll BWV 863 | Fuge Nr. 18 gis-moll BWV 863 | Präludium Nr. 19 A-Dur BWV 864 | Fuge Nr. 19 A-Dur BWV 864 | Präludium Nr. 20 a-moll BWV 865 | Fuge Nr. 20 a-moll BWV 865 | Präludium Nr. 21 B-Dur BWV 866 | Fuge Nr. 21 B-Dur BWV 866 | Präludium Nr. 22 b-moll BWV 867 | Fuge Nr. 22 b-moll BWV 867 | Präludium Nr. 23 H-Dur BWV 868 | Fuge Nr. 23 H-Dur BWV 868 | Präludium Nr. 24 h-moll BWV 869 | Fuge Nr. 24 h-moll BWV 869



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