Mit den Verfilmungen der Edgar-Wallace-Romane entdeckte das deutsche Kino Großbritannien. Deutsche Schauspieler stellten britische Detektive dar, deutscher Humor wurde auf die britischen Inseln exportiert, um von dort seinen Weg zurück auf die deutschen Leinwände zu finden. Die Pater-Brown-Filme funktionieren nach einem ähnlichen Schema, nur dass sie in Irland angesiedelt sind. Stolz verkündet schon der Vorspann des Filmes, dass die Außenaufnahmen tatsächlich in der Republik entstanden sind. Doch dies ist nur die halbe Wahrheit. Ein Teil der Aufnahmen wurde tatsächlich in einem kleinen, irischen Städtchen gedreht, für die restlichen Aufnahmen aber haben Münchner Vorstadtstraßen herhalten müssen. Das eine oder andere im wilhelminischen Stil erbaute Herrenhaus, das im Hintergrund zu sehen ist, zeugt davon! Doch auch dies ist typisch für Filme dieser Art. Um Geld zu sparen, ist letztendlich nur Rühmann mit einem Kamerateam nach Irland geschickt worden, um dort einige Außenszenen zu drehen, die dem Zuschauer suggerieren sollen, dass der Film wirklich in Irland spielt. Doch ein solcher Etikettenschwindel ist in Filmen dieser Zeit ganz normal. Schließlich ritt auch Winnetou nicht durch eine amerikanische, sondern eine jugoslawische Prärie.
Die Geschichte des Filmes ist relativ simpel: Pater Brown wird versetzt, nachdem er wieder einmal die Arbeit der Polizei übernommen und einen Mörder überführt hat. Seine neue Gemeinde soll ein ruhiges Städtchen sein. Doch kaum ist er dort angekommen und hat einen alten Bekannten getroffen, den ehemaligen Safeknacker Flambeau (Siegfried Lowitz), wird ein Bankier quasi vor den Augen des Paters ermordet.
Ein Film sollte stets wirken wie aus einem Guss. Dies ist bei Das schwarze Schaf aber leider nicht der Fall. Allein der Prolog, der erklärt, warum Pater Brown versetzt wird, dauert über 20 Minuten und erzählt eine Geschichte, die mit der restlichen Handlung nichts zu tun hat. Auch Rühmann wirkt in diesem Film, als würde er seine Rolle abarbeiten. Die für ihn so typische Spielfreude fehlt diesem von Helmuth Ashley inszenierten Spielfilm vollkommen. So wirkt Das schwarze Schaf, aus heutiger Sicht betrachtet, oft zäh. Er ist ohne visuelle Überraschungen gedreht, die Darsteller spulen ihre Dialoge herunter. Dem Vergleich mit vielen Edgar-Wallace-Filmen dieser Zeit, die vor allem dank ihrer skurrilen Figuren die Zeiten weitaus unbeschadeter überstanden haben, kann dieser Film nicht stand halten. Für schauspielerische Momente sorgt allein Karl Schönböck in der Rolle eines zwielichtigen Theaterdirektors, der für Brown den Hauptverdächtigen in diesem Mordfall darstellt, der aber nicht der Mörder sein kann, da Brown selbst sein Alibi ist! Leider aber sind Schönböcks Szenen zu kurz, als dass sie sich im Gedächtnis des Betrachters einbrennen könnten.
So verweilt der Blick hauptsächlich auf den Kulissen, die mit viel Fantasie versuchen, ein Irland zu erschaffen, wie es der Leser der Pater-Brown-Romane von einer Verfilmung erwartet. Selbst wenn dieses Irland vor den Toren Münchens gelegen haben mag. --Christian Lukas