Richard Straussens Ariadne auf Naxos ist eines der letzten Werke, das Giuseppe Sinopoli (1946-2001) vor seinem überraschenden Tod aufgenommen hat; ein musikalisches Kammerspiel, das wie geschaffen für sein feingeistiges, strukturell orientiertes musikalisches Denken ist. Souverän vollbringt er den Balanceakt, dem Werk seinen intimen Charakter zu bewahren, ohne der Musik ihre harmonische Würze und reizvollen wie artifiziellen (Bühnen)-Wirkungen zu nehmen. Die ungemein schweren und anspruchsvollen Rollen vertraut er einem großem Star-Apparat an: Natalie Dessay glänzt in den barocken Bravour-Gesangsnummern mitsamt halsbrecherischen Kadenzen der Zerbinetta, wenngleich sie Edita Gruberovas Paraderolle nicht mit solchem Leben füllen kann, wie diese einst. Deborah Voigt gibt eine überzeugende Ariadne ab und auch die derzeit im Hinblick auf ihr Repertoire viel verwendbare Anne Sofie von Otter strahlt mit großer Stimme in der Rolle des Komponisten. Ben Heppner lässt seine Partie nicht zur Brüll-Orgie verkommen, wie manch einer seiner Kollegen. Ausgezeichnete Wortverständlichkeit bei fast allen Solisten, auserlesene Klangqualität. --Teresa Pieschacón Raphael