Gemeinsam mit ihrem bewährten Klavierbegleiter David Garvey beschenkt die bereits 38-jährige, aber in Höchstform befindliche Künstlerin das in zunehmendem Maße tobende New Yorker Publikum mit einem ihrer typischen Programme: Nach der Eröffnung mittels einiger Händel-Arien geht sie über zu einer Folge von Kunstliedern in mehreren Sprachen, zu denen hier unter anderen die "Zigeunerlieder" von Johannes Brahms und einige "Mélodies" von Francis Poulenc, außerdem aber auch Songs des von ihr sehr geschätzten amerikanischen Komponisten Samuel Barber gehören. Vier Spirituals schließen sich an -- und wer gegen diese Art von Musik Vorbehalte hat, der wird sie angesichts von so viel Einfühlungsvermögen und Ausdruckskraft sicher relativieren: Leontyne Price, eben noch vollkommen stilsicher mit Brahms und Poulenc beschäftigt, zündet ein Feuerwerk von bewegenden vokalen Farben, blue Notes und rhythmischer Virtuosität. Nicht minder großartig gelingt ihr später bei den Zugaben übrigens "Summertime" aus Gershwins Porgy and Bess. Das Rezital endet mit einer begeisternden Version der Puccini-Arie "Vissi d'arte" (Tosca).
Abgesehen von wenigen Ausnahmen erscheint das Material hiermit zum ersten Mal auf CD -- den Kenner wird das zum Jubeln veranlassen. Demjenigen, der die Jahrhundert-Stimme von Leontyne Price noch zu entdecken hat, steht ein einzigartiges Hörerlebnis bevor. --Michael Wersin