In der Rolle eines brillianten Wissenschaftlers, der zum Geheimnis der Unsichtbarkeit vordringt, tritt Rains wie eine Mumie in Bandagen eingehüllt vor die Kamera. Als er endlich den Stoff entfernt, befindet sich scheinbar nichts und niemand darunter; ein einfacher, wenn auch effizienter Spezialeffekt, der selbst Jahrzehnte nach der Entstehung des Films im Jahr 1933 seine Wirkung nicht verfehlt. Die Konsequenzen seiner chemischen Experimente sind, wie schon bei Frankenstein, bei dem auf ähnliche Art und Weise die unheilbringenden Folgen aus dem Ruder laufender Wissenschaft thematisiert werden, furchtbar: Der Unsichtbare wird wahnsinnig.
Regisseur James Whale injiziert eine gehörige Portion Humor in diese Geschichte, der sich größtenteils aus den altmodisch sonderbaren Anwandlungen der einheimischen Dorfbevölkerung speist. Als die zunächst infantilen Streiche des unsichtbaren Scherzbolds in ausgewachsenen Größenwahn umschlagen der auch vor der Weltherrschaft nicht halt machen will, ist der Film längst zu einer schwarzen Komödie geworden.
Trotz der nur 71 Minuten Spieldauer ist das Tempo gemächlich, lässt jedoch Raum für etliche vergnügliche Momente und eine atemberaubende Leistung von Claude Rains, dessen tiefe, kultivierte Stimme den Film in einen immer währenden Schleier hüllt. Vincent Price spielte in der Fortsetzung (Der Unsichtbare kehrt zurück) die Hauptrolle. --Sean Axmaker