Weiterhin viel Spaß beim Anhören!
Klar ist, dass eine Matthäuspassion, soll sie ein eigenständiges, aktuelles und überzeugendes Werk sein, eine ganz individuelle Tonsprache haben muss. Nach selbiger hat Tan Dun recht lange geforscht.Sein Stil setzt sich aus vier Hauptrichtungen zusammen.1) Europäisch-amerikanische Musiktradition2) Fernöstliche Klänge (Pentatonik, meditative Musik, Ostinati usw.3) Klangschichtungen, -ballungen, -teppiche & Cluster4) Erforschung der Klangfarben der Natur und ihre jeweiligen "Instrumente".
Aus diesen vier Sparten konstruiert Tan Dun eine Tonsprache, die mich sofort überzeugt hat. Der obskure Titel "Water Passion" erklärt sich aus zwei Dingen, die kunstvoll und symbolisch miteinander verknüpft sind.Erstens setzt Tan Dun nicht nur herkömmliche Instrumente ein. Das "Orchester" wird durch umfangreiches Schlagzeug ergänzt, und dieses wiederum z.B. durch Wasserschalen - und Wasser ist ja schließlich auf viele verschiedene Weisen zum "Klingen" zu bringen. Das reicht vom leisen Plätschern als Klangteppich bis hin zu der Technik, dass man einen Zylinder halb in die Wasserschale hält und mit der Hand oder einem Schlegel auf seinen Kopf schlägt. Es ergeben sich hochinteressante und atmosphärische Klangkaskaden.Warum aber diese außergewöhnliche Instrumentation? Hier kommt der zweite, eigentlich elementare Punkt ins Spiel. Tan Dun hält sich zwar weitgehend an den Matthäustext, behält sich aber offenen Raum für eine eigene Interpretation. Er siedelt den eigentlichen Beginn der Passionsgeschichte wesentlich früher an, als dies beispielsweise Bach tut, nämlich: bei der Taufe Jesu. Und plötzlich zieht sich EIN Element wie ein roter Faden durch die Passion - es ist das Wasser, und Tan Dun verdeutlicht dies.
Wie denn Tan Duns Musik nun genau klingt, ist kaum zu beschreiben. Sie ist in einer Weise radikal, hypnotisch, bewegend und fantasievoll, die so ganz anders ist als die Musik eines Arvo Pärt, auf den all diese Attribute schließlich auch zutreffen. Ich habe die Water Passion after St. Matthew bei ihrer Uraufführung im Fernsehen gesehen. Daran, dass Passionsmusik dieser Größe und Schönheit nach Bach noch möglich sein könnte, hatte ich gezweifelt - ich wurde von ihr überwältigt. Zumal Wege beschritten werden, die die "Neue Musik" aus ihrer Versenkung herausholen könnte, in die sie durch die selbstverschuldeten Stigmata, emotionslos, mathematisch berechnet und unzugänglich zu sein, hineingeraten ist. Von Tan Dun, da bin ich mir sicher, werden wir noch viel hören.
Wie denn Tan Duns Musik nun genau klingt, ist kaum zu beschreiben. Sie ist in einer Weise radikal, hypnotisch, bewegend und fantasievoll, die so ganz anders ist als die Musik eines Arvo Pärt, auf den all diese Attribute schließlich auch zutreffen. Ich habe die Water Passion after St. Matthew bei ihrer Uraufführung im Fernsehen gesehen. Daran, dass Passionsmusik dieser Größe und Schönheit nach Bach noch möglich sein könnte, hatte ich gezweifelt - ich wurde von ihr überwältigt. Zumal Wege beschritten werden, die die "Neue Musik" aus ihrer Versenkung herausholen könnten, in die sie durch die selbstverschuldeten Stigmata, emotionslos, mathematisch berechnet und unzugänglich zu sein, hineingeraten ist. Von Tan Dun, da bin ich mir sicher, werden wir noch viel hören.