Scherbentanz hat eine wunderbare Kamera, ein literarisches Drehbuch und eine Re-gie, die es sich nicht nehmen läßt, einzelne Moment präzise einzufangen. Die Bilder baden den Zuschauer in Herbststimmung, sie überraschen mit zerbrechlichen Rückblenden und einem Licht, das manchmal zu echt ist, um wahr zu sein.
Der Schlagabtausch der Dialoge ist trocken und hat oft Haken, die einem erst auffallen, wenn man sich schon in der nächsten Szene befindet. Dazu kommt ein dezenter Sound-track, der in vielen Momenten für sich allein steht und den Film zur Kulisse macht.
Wir sehen kaputte, einsame und verbitterte Menschen, wir sehen Aristokratie in ihrer schlimmsten und Feigheit in ihrer niedrigsten Form. Alles, was du jemals erreichen kannst, wandert auf den Müll, sagt der Hauptcharakter mittendrin und enthüllt uns mit seinen Gedanken Stück für Stück die eigene Innenwelt. Traurigkeit, Bitterkeit, Enttäuschung. Dabei ist Stimme aus dem Off der Schlüssel zu einem Menschen, der vor Resignation nicht mehr weiter weiß und ratlos umherirrt. Es ist bewundernswert, wie es dem Regisseur gelingen konnte, all das Negative anhand von Szenen und Gesten in etwas Positives zu verwandeln.
Jürgen Vogel ist dabei unsentimental, zynisch und ohne Hoffnung. Er bewegt sich auf Kollisionskurs durch die Gegenwart und hat dabei die Vergangenheit am Hacken. Doch der Film hat mehr als eine Hauptrolle. Die Schauspieler glänzen durchweg auf eine Art und Weise, die nicht zu greifen ist. Vielleicht liegt es daran, daß man sie nicht sofort durchschaut, daß sie einem als Rätsel entgegen treten und erst mit der Zeit ihre Geheimnisse preisgeben. Hier wird wenig erklärt, weil alles, was erklärt werden muß, in den Gesichtern und Gesten zu sehen ist.
Das Ende ähnelt einem Haiku auf die Zeit, in der wir als Kinder dachten, ewig zu leben und unantastbar zu sein. Mit den letzten Bildern bricht der Regisseur ohne großes Trara oder Feuerwerk die Resignation des Hauptcharakters. Wir sehen einen Baum, wir sehen zwei Brüder, Ruhe kehrt ein und die Worte des Erzählers kommen einem in den Kopf: Alles, worauf du jemals stolz sein könntest, endet im Abfall. Du verschwindest. Und wenn du verschwunden bist, wird es sein, als wärst du niemals dagewesen.Eine Lüge mehr, die mit diesem Film wiederlegt wird.
Und: Das Roman ist sogar noch eine Spur besser.