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Scherbentanz
Jürgen Vogel, Margit Carstensen

Euro Video, 2004

durchschnittliche Kundenbewertung:basierend auf 6 Bewertungen
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Schwere Kost und anspruchsvolles Kino

Nichts ist, wie es scheint.
Was zunächst als kleine, eher unscheinbare Geschichte daherkommt, entwickelt im Laufe des Films eine Eigendynamik, die den Zuschauer einfach in den Bann zieht. Scherbentanz regt auf, schockt mit unverblümter Wahrheit und Darstellung und regt zum Nachdenken an. Die wunderbar authentische Darstellung der Hauptfiguren, der Mut zur Hässlichkeit und die feinen Zwischentöne des Films sind es, die mich sehr berührt und verblüfft haben.
Kein schöner Film im ursprünglichen Sinne, aber wunderbar in Aussage und Umsetzung.
Ein Film, über den man sprechen muß, sobald der Abspann läuft - der zu Diskussionen anregt und in jedem Zuschauer ein anderes Gefühl auslöst. Von Abscheu bis Unverständnis. Von Wahrheit und dem schönen Schein.
Eine Geschichte übers Leben - und letztlich der Liebe, in ihrer ganzen Form.
Keine leichte Kost, aber absolut sehenswert für Freunde des anspruchsvollen Kinos und der leisen Töne. Für alle, die gerne
hinter die Fassade schauen und zwischen den Zeilen lesen wollen.
Denn nichts ist wie es scheint.


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HAIKU

Was für ein Film ist das, der daherkommt wie eine Geschichte um zwei Brüder, sich dann in eine Familiendrama verwandelt und eigentlich gar kein Drama ist, sondern unzählige Gedichte in Bilder gefaßt? Was für ein Film ist das, in dem Jürgen Vogel mit einem Herrenrock durch die Gegend läuft, Kornkreise eine völlig neue Bedeutung bekommen und ein Schneemann in Flammen aufgeht? Und wie ist es möglich, daß man als Zuschauer das Gefühl nicht los wird, die Zeit ein- und ausatmen zu hören?

Scherbentanz hat eine wunderbare Kamera, ein literarisches Drehbuch und eine Re-gie, die es sich nicht nehmen läßt, einzelne Moment präzise einzufangen. Die Bilder baden den Zuschauer in Herbststimmung, sie überraschen mit zerbrechlichen Rückblenden und einem Licht, das manchmal zu echt ist, um wahr zu sein.

Der Schlagabtausch der Dialoge ist trocken und hat oft Haken, die einem erst auffallen, wenn man sich schon in der nächsten Szene befindet. Dazu kommt ein dezenter Sound-track, der in vielen Momenten für sich allein steht und den Film zur Kulisse macht.

Wir sehen kaputte, einsame und verbitterte Menschen, wir sehen Aristokratie in ihrer schlimmsten und Feigheit in ihrer niedrigsten Form. Alles, was du jemals erreichen kannst, wandert auf den Müll, sagt der Hauptcharakter mittendrin und enthüllt uns mit seinen Gedanken Stück für Stück die eigene Innenwelt. Traurigkeit, Bitterkeit, Enttäuschung. Dabei ist Stimme aus dem Off der Schlüssel zu einem Menschen, der vor Resignation nicht mehr weiter weiß und ratlos umherirrt. Es ist bewundernswert, wie es dem Regisseur gelingen konnte, all das Negative anhand von Szenen und Gesten in etwas Positives zu verwandeln.

Jürgen Vogel ist dabei unsentimental, zynisch und ohne Hoffnung. Er bewegt sich auf Kollisionskurs durch die Gegenwart und hat dabei die Vergangenheit am Hacken. Doch der Film hat mehr als eine Hauptrolle. Die Schauspieler glänzen durchweg auf eine Art und Weise, die nicht zu greifen ist. Vielleicht liegt es daran, daß man sie nicht sofort durchschaut, daß sie einem als Rätsel entgegen treten und erst mit der Zeit ihre Geheimnisse preisgeben. Hier wird wenig erklärt, weil alles, was erklärt werden muß, in den Gesichtern und Gesten zu sehen ist.

Das Ende ähnelt einem Haiku auf die Zeit, in der wir als Kinder dachten, ewig zu leben und unantastbar zu sein. Mit den letzten Bildern bricht der Regisseur ohne großes Trara oder Feuerwerk die Resignation des Hauptcharakters. Wir sehen einen Baum, wir sehen zwei Brüder, Ruhe kehrt ein und die Worte des Erzählers kommen einem in den Kopf: Alles, worauf du jemals stolz sein könntest, endet im Abfall. Du verschwindest. Und wenn du verschwunden bist, wird es sein, als wärst du niemals dagewesen.
Eine Lüge mehr, die mit diesem Film wiederlegt wird.

Und: Das Roman ist sogar noch eine Spur besser.


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Der dritte Bruder.

Auf einem Familientreffen sehen sich zwei Brüder wieder. Jesko, der jüngere, hat mit allen schon lange gebrochen und abgeschlossen. Nur mit seinem Bruder Ansgar scheinen ihn gute Erinnerungen an die Jugend zu verbinden. Die Mutter ist schwer krank und benötigt eine Knochenmarkspende. Jesko weigert sich zunächst, ändert dann aber seine Meinung. Jesko und Ansgar sollen auch noch einen dritten bisher verschwiegenen Bruder haben. Das Drama spitzt sich zum Geburtstag des Vaters zu.

Manche Geschichte sind schon erzählt, bevor sie begingen. Der Protagonist Jesko betritt seit Jahren wieder das im Zorn verlassene Elternhaus. Nur um zu erfahren, das die Gründe, warum er es verließ, hier immer noch leben. Der handlungsarme und dialogschwere Film konfrontiert den Zuschauer mit der ereignisreichen Vergangenheit einer Familie. Die charakterschweren tragischen Figuren tragen das zugefügte Leid wie einen Orden mit sich. Ein aufeinander Zugehen scheint unmöglich, selbst schlichtende Außenstehende scheitern.

Hohe schauspielerische Leistung und spartanische Szenenbilder vermitteln ein pittoreskes Familienbild direkt im Kopf des Zuschauers. Ein aufwühlender, schmerzhafter Familienthriller der besonderen Art.



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Meinungen: Seite 1, 2



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