Quasthoffs profunder, voluminöser Bassbariton kommt vor allem in den balladesken Nummern hervorragend zur Geltung: Schumanns "Belsatzar" oder Loewes "Herr Oluf" sind seit jeher Paradestücke für den in puncto dramatische Gestaltung und aussagekräftiges Erzählen hochbegabten Sänger. Etwas weniger beglückend gerieten lyrischere Lieder, die über die Mittellage hinaus leisere Töne fordern: In Schuberts "Frühlingsglaube" oder Strauss' "Morgen" wird deutlich, dass eine Neigung zu sandiger Rauheit des Timbres im unteren Belastungsbereich sich mit den Jahren verstärkt hat; die technisch saubere Linienführung, die richtige Mischung aus Kopf- und Brustregister und die Fokussierung der Stimme fallen Quasthoff in den genannten und einigen anderen Liedern hörbar schwer.
Dieses Problem kann auch durch interpretatorische Nuancen nicht umgangen werden, der Hörer erwartet hier einfach ein leichtläufiges, müheloses Legato, wie es Quasthoff im Moment wohl nicht mit erwünschter Souveränität zu Gebote steht. Bleibt die Freude über die anderen, die extrovertierteren Titel der Sammlung: Der schon erwähnte "Belsatzar" gelingt derzeit sicher kaum einem Sänger so mitreißend und haarsträubend realistisch wie Thomas Quasthoff. --Michael Wersin