Diese Thematik bietet der Mezzosopranistin Cecilia Bartoli paradiesische Möglichkeiten. Ausdrucksfähigkeit und Koloratursicherheit sind gefragt, nicht aber unbedingt großes Volumen. Scarlattis All´arme si accesi guerrieri gestaltet sie elegant und traumwandlerisch sicher, sein Mentro io godo in dolce oblio mit großer Innigkeit. Händels Un pensiero nemico di pace wird zum Koloraturfestival, eigentlich eine Opernarie per excellence, mit zartem Mittelteil und fulminantem Schluss. Bartoli setzt alles auf eine Karte und betont die Gegensätze, was die Dramatik noch verstärkt. Calderas eher schwerblütige Kompositionen, darunter Ahi quanto cieca... Come foco alla sua sfera werden von der Sängerin eher etwas übertrieben effektvoll dargeboten, was der Schönheit aber keinen Abbruch tut.
Les Musiciens du Louvre lassen sich von Marc Minkowski zu mal affektiertem, mal zurückhaltendem, immer aber sängerfreundlichem Spiel animieren. Bartoli genießt es hörbar, diesem Orchester ihre Stimme anzuvertrauen, eine Stimme, deren Entwicklung man bei aller Bewunderung eher bescheiden nennen muss. Aber Entwicklung hin oder her: immensen Erfolg hat sie immer noch. Rudolf Kamm