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Die Kunst der Fuge
Johann Sebastian Bach

Deutsche G (Universal), 2008

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Große Musik, großartig gespielt

Nimmt man Sokolovs Einspielung als Referenzeinspielung, dann schälen sich vor allem Contrapunctus 3,5,6 sowie 11 als Höhepunkte des interpretatorischen Könnens heraus. Weder Feltsman's fast rasante Auffassung des Contrapunctus 4 noch die ebenso schnelle wie nachvollziehbare Interpretation des Contrapunctus 8 von Koroliov, die beide innerhalb der wenigen CD Einspielung dieses Schlüsselwerks dieser Musik Marken gesetzt haben, werden durch Aimards Einspielung dieser Contrapuncte gefährdet. Insgesamt hat die Einspielung einen ganz grossen Atem, der Sie bis in die Nähe der Schlüssigkeit der Gesamtkonzeption von Sokolov's Meistereinspielung trägt. Wiedereinmal fehlt jedoch der Beweis, dass Contrapunctus Inversus 12b wirklich auf dem Klavier zu Hause ist und nicht beim Streichquartett (Man höre die z.B. die Einspielung der Berliner Bach Akademie. Es bleibt bei diesem Werk nach wie vor weiter spannend.
Doch wie gesagt insgesamt eine frische und doch huldvolle Neueinspielung, die den weltlichen und den kirchlichen Bach symbiotisch transzendiert.
Man kann nur hoffen, dass dieses Werk nun mehr und mehr unsere Zeit im Umbruch begleiten wird, stecken in ihr doch Tugenden die unserer Zeit so bitter fehlen: Milde, Barmherzigkeit, Grossherzigkeit, Demut, Gnade Frohsinn (Contrapunctus 9 vor allem in Aimards Einspielung) und etwas das aus der Musik kommt und wieder zwischen uns herrschen sollte: Takt

Deshalb mit allem Dankbarkeit: Danke für diese schöne Einspielung!




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Ausgezeichnet

Diese CD wurde als künstlerisch herausragende Veröffentlichung auf die Bestenliste 2/2008 des Preises der deutschen Schallplattenkritik gesetzt!






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Klares Konzept

Um die "Kunst der Fuge" gibt es mehr Fragezeichen als wohl allgemein angenommen wird. Nicht nur ist unklar, ob der Zyklus in seinen Teilen vollständig vorliegt oder ob neben der unvollendeten Quadrupelfuge nicht noch weitere Stücke vorgesehen waren. Und auch die Reihenfolge der Stücke ist alles andere als geklärt. Mittlerweile soll es über hundert Vorschläge geben. Dass Bach den Zyklus mit einem, wahrscheinlich eher komplexen als simplen, Ordnungprinzip konzipiert hat steht außer Frage, doch wie das aussah, ist immer noch unklar, und wird es möglicherweise auch bleiben.

Die Fragestellung, die sich daraus für eine Aufführung oder CD Einspielung ergibt ist: fasse ich das Werk als Zyklus auf oder als Sammlung. Bei den Goldberg-Variationen etwa sind die Ordnungsprinzipien so eindeutig, dass niemand auf die Idee käme das Werk nicht als Zyklus aufzufassen und die Reihenfolge zu verändern.

Aimard hat sich, legitimerweise, für die zweite Möglichkeit ertschiedenen. Für ihn ist das Werk ein Kompendium, das keine zwingende Aufführungsreihenfolge vorsieht. Für die Aufnahme hat er, ohne eigenen Forscherehrgeiz, die konservativste Fassung gewählt: die sich weitgehend am Erstdruck orientierende Fassung von Christoph Wolff. In seinen Konzerten spielt er verschiedene Fassungen, die er nach dramaturgischen Gesichtspunkten zusammenstellt.

Auch wenn Aimard auf einem modernen Flügel spielt, kann man seine Spielweise doch als "historisch informiert" bezeichnen. Das heißt, anders als etwa Koroliev, der noch eher einem romantisierten Bach-Bild verpflichtet ist, orientiert sich Aimard was Tempovorstellungen und Artikulation angeht an Erkenntnissen der historischen Aufführungspraxis.

Mit klarem Konzept für jedes Stück und straight forward, vor allem bei den harmonisch sehr komplexen Tripelfugen durchaus auch mit Furor, schreitet er durch das Werk. Diese Klarheit, die ohne jegliche Mäzchen auskommt, wirkt durchaus sympathisch und erfrischend.

Allerdings lässt sich nicht verschweigen, dass dem Klavierspiel Aimards auch eine gewisse Steifheit und Trockenheit eigen ist, die durch das kalt-klirrende Klangbild noch verstärkt wird. Aimard ist sicher kein begnadeter Pianist, eher ein fleißiger, doch seine Ernsthaftigkeit und Kompromisslosigkeit sind am Ende oft interessanter als das Spiel mancher begnadeten Tastenvirtuosen.


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Höchste Subtilität

Selten wagt sich die heutige Pianistengeneration an dieses vielleicht größte Meisterwerk Johann Sebastian Bachs. Das Wohltemperierte Klavier und die Goldbergvariationen scheinen den meist vornehmlich an der Musik des 19. Jahrhunderts geschulten Geistern sehr viel näher zu kommen. Nicht dagegen Pierre-Laurent Aimard dessen Auseinandersetzung mit der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts stets im Zentrum seiner Arbeit stand. Dies scheint auch seinen Zugriff auf die Kunst der Fuge hörbar zu beeinflussen. Keine unpassende "Romantisierung" der Musik Bachs, keine Suche nach Beethovenscher großer Geste. Aimards Kunst der Fuge ist ein Höhepunkt an musikalischer Subtilität. Seine Interpretation bewegt sich durchweg auf einer "Mittellage", dynamisch und ausdrucksmäßig. Dieses ermöglicht ihm, mit geringsten Veränderungen von Dynamik, Tempo und Farbgebung die einzelnen Stimmen herauszuarbeiten und ihnen ihren Charakter zu geben, ohne dabei sofort in ein romantisches Klangidiom zu verfallen. Wer sich die Zeit nimmt genau hin zu hören wird reich belohnt. Aimards Bach ist so reich an Schattierungen und Farben wie ich es selten zuvor gehört habe!


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DIE KUNST DER FUGE



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Tracks
Contrapunctus 1 | Contrapunctus 2 | Contrapunctus 3 | Contrapunctus 4 | Contrapunctus 5 | Contrapunctus 6. a 4 in Stylo Francese | Contrapunctus 7. a 4 per Augmentationem et Diminutionem | Contrapunctus 8. a 3 | Contrapunctus 9. a 4 alla Duodecima | Contrapunctus 10. a 4 alla Decima | Contrapunctus 11. a 4 | Contrapunctus inversus 12.1 a 4 | Contrapunctus inversus 12.2 a 4 | Contrapunctus inversus 13.1 a 3 | Contrapunctus inversus 13.2 a 3 | 14. Canon alla Ottava | 15. Canon alla Decima in Contrapunto alla Terza | 16. Canon alla Duodecima in Contrapunto alla Quinta | 17. Canon per augmentationem in Contrario Motu | 18. Fuga a 3 Soggetti (Contrapunctus 14)



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